Amelia Earhart: Ein atemberaubendes Abenteuer

Entdecken Sie das Leben und die Wahrheit über die Legende einer der größten Pilotinnen der Welt.

Amelia Earhart. REX/Shutterstock
Amelia Earhart. REX/Shutterstock

Amelia Earhart war nie für ein normales Leben bestimmt – zumindest nicht so, wie es die meisten Mädchen im mittleren Westen Amerikas um 1897 führten. Mehr Junge als Mädchen erzürnte sie die Nachbarn in Atchison, Kansas, als sie auf ihrem Schlitten bäuchlinks vereiste Hügel hinuntersauste (Mädchen hatten gefälligst aufrecht auf dem Schlitten zu sitzen), in edlen Bloomer-Kostümen (bekannt durch die Frauenrechtlerin Amelia Jenks Bloomer als Symbol für die Freiheit von Frauen) herumtollte, einen Nachbau einer Achterbahn von einem Jahrmarkt in St. Louis errichtete und hartnäckig demonstrierte, dass sie jede Aufgabe bestehen und jeglicher Authorität trotzen konnte.

Schon als Kind hatte sie stets ein Notizbuch mit Berichten über Frauen, die ihren Mann standen, bei sich – von bahnbrechenden Ärztinnen über Regisseurinnen bis hin zu Anwältinnen und Testfaherinnen. Später erklärte sie, dass die Frau in der Ehe nicht viel mehr als ein „häuslicher Roboter“ sei. Sie schrieb: 'I cannot claim to be a feminist, but do rather enjoy seeing women tackling all kinds of new problems - new for them, that is.' („Ich will nicht behaupten, eine Feministin zu sein, aber ich genieße es zu sehen, wie Frauen sich an immer mehr neue Themen heranwagen – neu im wahrsten Sinne des Wortes.“  Und mit zunehmendem Ruhm (ohne entsprechendes Vermögen, denn Fliegen war sehr teuer) nutzte sie ihre Bekanntheit, andere Frauen dazu zu ermutigen, sich endlich aus der nach wie vor existierenden gesellschaftlichen Zwangsjacke zu befreien. Klingt sehr nach einer Feministin.

Sie ließ Worten Taten folgen und lehnte Heiratsanträge ab, half kanadischen Soldaten als Krankenschwester in Toronto während des Ersten Weltkriegs, lernte Banjo spielen, studierte Maschinenbau und stürzte sich in die Sozialarbeit.

Amelia Earhart,1936. Everett/REX/Shutterstock
Amelia Earhart, 1936. Everett/REX/Shutterstock

Den Weg – oder besser die Startbahn – zu Amerikas erster Pilotin ebnete ihr an Heiligabend im Jahr 1920 ihr Vater (der mit der Familie nach Los Angeles gezogen war), als er sie zu einer Flugshow in Long Beach mitnahm und ihr drei Tage später ein Ticket für einen Vergnügungsflug kaufte. An diesem Abend sagte sie zu ihrer Familie: 'I think I want to learn to fly.' („Ich glaube, ich möchte fliegen lernen.“) Selbstverständlich hat sie es im Laufe der Jahre mehr als gelernt und wurde noch dazu zu einer Stilikone. Sie ließ sich die Haare stufig schneiden zu diesem beliebten zerzausten Bob, damit sie ihr nicht länger in die Augen fielen, und kleidete sich in langen Schnürstiefeln, Reiterhosen, Seidenblusen und Jacken mit Gürteln (später trug sie Belstaff, deren Outdoor-Kleidung sich extrem gut für offene oder unbeheizte Cockpits eignete).

1922 erzählte das „fliegende Society-Girl“ einer Los Angeles Zeitung: 'I don't crave publicity, but to me it would be the greatest fun to fly across the continent. („Ich mache mir nichts aus Publicity, aber über den Kontinent fliegen, würde mir sehr gefallen.) I think I'll do it.' (Ich denke, irgendwann mache ich das.“) Gesagt, getan. Und 1928 wurde sie noch dazu die erste Frau, die den Atlantik überquerte. Obwohl sie sich wie ein Gepäckstück vorkam, weil sie das Flugzeug nicht selbst gesteuert hatte (und kein Geld dafür bekam, so, wie der Pilot und der Mechaniker). Dennoch machte ihr zukünftiger Ehemann und Betrüger George Palmer Putnam sie zu einer international gefeierten Persönlichkeit mit Konfettiparaden, Lesungen sowie Treffen mit Harry Selfridge, dem Prinzen von Wales und den Roosevelts. 1932 flog sie alleine über den großen Teich und sicherte sich somit den Titel des „weiblichen Lindberghs“.

Der Flug entlang des Äquators 1937 sollte ihr letzter Versuch sein, einen Rekord zu brechen. Bei miserablem Wetter und mit defekten Instrumenten verschwand sie zusammen mit ihrem Steuermann auf dem Weg von Neuguinea zu einer kleinen Pazifikinsel namens Howland.

Noch vor ihrer ersten Atlantiküberquerung hatte Earhart Briefe an ihre Eltern geschrieben, für den Fall, dass sie nicht zurückkehren würde. Diese Gewohnheit hatte sie sich bis zu ihrem letzten Flug bewahrt. An ihre Mutter schrieb sie: 'My life has really been very happy and I didn't mind contemplating its end one bit.' („Ich hatte ein glückliches Leben und ich habe nie wirklich über mein Ende nachgedacht.“) Und an ihren Vater schrieb sie: 'Hooray for the last grand adventure! („Hurra, das letzte große Abenteuer ist gekommen!) I wish I had won, but it was worthwhile anyway.' (Ich wünschte, ich hätte gewonnen, aber es war auf jeden Fall einen Versuch wert.“) Sie hatte gewonnen – und zwar einen bleibenden Platz in den Herzen und Erinnerungen der Menschen.