Adventure Talk: Ben Saunders

Als Scott und seine vom Pech verfolgte Terra-Nova-Expedition im Januar 1912 den Südpol endlich erreichten, brach es aus dem Marineoffizier heraus: „Great God! This is an awful place.“ [„Großer Gott! Dies ist ein schrecklicher Ort.“] Als die modernen Forscher Ben Saunders und Tarka L'Herpiniere den selben Ort über ein Jahrhundert später erreichten, teilten Sie Scotts ersten Eindruck.

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Die Antarktis ist ein Gebiet der Extreme. Das karge Gelände ist fast doppelt so groß wie Australien und gilt als kältester, windigster und trockenster Ort der Welt. Nur wenige haben sich aufgemacht, diese unerforschte „weiße Wüste“ zu durchqueren. Über die Reise wacht drohend Scotts Rückreise vom Südpol, die die gesamte Crew nicht überlebte. Jedenfalls war das bis 2013 der Fall, als Saunders und L'Herpiniere sich gegen Jahresende aufmachten, Scotts Reise zu vollenden.

„There was this moment of realisation that one of the most iconic polar explorations of all time remained unfinished.' Saunders explains of his audacious adventure, 'The more I looked into it, the more astounding it became to me. Finishing this journey became an obsession for nearly 12 years of my life.”

Saunders, der von seinem Leben sagt, dass es wie ein endloses Auslandssemester ist, war schon von klein auf von Größen wie Scott und Shackleton fasziniert und las ununterbrochen die abenteuerlichen Berichte des Goldenen Zeitalters der Antarktisforschung. Später besuchte er dann die Militärakademie Sandhurst, um in die Fußstapfen der Helden seiner Kindheit zu treten. Er stellte jedoch bald fest, dass die strengen Vorschriften eines Offiziersleben ihm nicht lagen. Zur Bestürzung seiner Eltern verließ er die Akademie nach nur 11 Monaten.

Antarctic explorer Ben Saunders

Mit fast 20 wusste er also nicht genau, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Er verbrachte ein Jahr in der School of Adventure des rekordverdächtigen Seglers John Ridgway in der Wildnis der schottischen Highlands und schon stand sein Berufsweg fest. Zehn Jahre lang übte er sich fortan darin, seine körperliche und psychische Ausdauer bis ins Grenzenlose auszubilden. Bis zum heutigen Tag hat er 11 Polarexpeditionen unternommen und dabei an den Polen über 6 000 km zu Fuß zurückgelegt. Zu seinen Erfolgen gehört eine ungesicherte Solo-Skifahrt, die er im Alter von 26 Jahren als dritter Mensch überhaupt am Nordpol schaffte. Außerdem hält er den Rekord der längsten Arktisreise, die je von einem Briten unternommen wurde. Wie es sich für einen echten Briten gehört, ist Saunders jedoch voller Selbstironie und spielt sein Können und seine Erfolge gerne runter.

„Determination is everything. In my experience, self-belief is like a muscle. The more risks you take, the more time you spend outside your comfort zone, the stronger that sense of self-belief becomes.“

Um Scotts Expedition zu vollenden, strengte er auch tatsächlich jede Faser an, die ihm innere Kraft spenden könnte. Obwohl zwischenzeitlich bei der Kommunikation und den Sicherheitsvorkehrungen Fortschritte gemacht worden sind, war die Reise schlussendlich doch gefährlicher, als es sich die beiden Abenteurer vorgestellt hatten. Die Antarktis ist ein Ort, den man nicht bezwingen, sondern nur überleben kann. Saunders erinnert sich: „We never had an easy metre, yet alone an easy mile. We were battling it every single day.“

Antarctic explorer Ben Saunders

Die Zentralantarktis ist vollkommen unbewohnt, hier gibt es weder Flora noch Fauna. Die beiden hatten mit Extrembedingungen zu kämpfen, darunter fünf aufeinanderfolgende Tage, an denen die Schneestürme so stark waren, dass sich der bewölkte Himmel nicht mehr von der weißen Erde unterscheiden ließ und so der Horizont als Orientierungspunkt verschwand. Saunders vergleicht diese verwirrende Erfahrung mit einem Schwindelgefühl. Das fast 200 kg schwere Gepäck, das beide jeweils zusätzlich bis zu 11 Stunden am Tag im Schlepptau ziehen mussten, machte das Unterfangen nicht einfacher. In Anlehnung an Scott und Shackletons Tagebücher machte auch Saunders Aufzeichnungen in einem Blog, den über dreieinhalb Millionen Menschen verfolgten. Das tägliche Schreibritual wurde für Saunders zum Highlight der Expedition, da er so sein Talent zum Geschichtenerzählen zur Schau stellen konnte. Auch über die Festtage schrieb er zwei Posts, in denen die beiden Freunde zu sehen sind, wie sie zu Silvester mit einem Schluck Pisco und einer Tasse gefriergetrocknetem Kaffee anstoßen: „The best cup I've ever had!“

Sich nach der Expedition an ein normales Leben zu gewöhnen, war, laut Saunders, „an extraordinary transition“ [„eine außerordentliche Umstellung“]. Er hatte einige Wochen eingeplant, um sich von den Strapazen zu erholen. Tatsächlich dauerte es fast das ganze Jahr 2014. Er gibt zu: „I was genuinely, absolutely burnt out. It took way longer to recover physically, mentally and emotionally than I ever thought it would.“ Dabei hatte er nicht nur mit der körperlichen Erschöpfung zu kämpfen, die dreieinhalb Monate von ihm abverlangt hatten (die zurückgelegte Strecke entspricht 69 Marathons nacheinander!); er musste auch einen Kindheitstraum zu Grabe tragen, dessen Erfüllung über zehn Jahre an harter Arbeit und Vorbereitung in Anspruch genommen hatte. Die Abenteurer schafften die Reise in 108 Tagen und überquerten dabei zum Abschluss eine wahre Ziellinie: Sie sprangen über einen Riss im Eis, kurz bevor Sie wieder festen Erdboden unter den Füßen hatten. Dieser letzte Schritte füllte die beiden jedoch nicht mit der Euphorie, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Antarctic explorer Ben Saunders
„We often assume success is a destination and that, once we get there, things will be different. It was a profound lesson that fulfilment isn't a finishing line you cross one day - you're either there or you're not. It's a huge cliché that the important part is the journey and not the destination, but it took me nearly four months in Antarctica to figure that one out for myself.“

Derzeit plant Saunders keine weiteren Polarexpeditionen. Er bringt sein Talent im Geschichtenerzählen vielmehr als Motivationstrainer zum Besten und inspiriert so viele Menschen. Anfang des Jahres entschied er sich, auf weitere Erfinder und Entdecker unserer Zeit aufmerksam zu machen, und rief das Avaunt Magazin ins Leben. Die Zeitschrift erscheint zweimal im Jahr und befasst sich mit ehrgeizigen Menschen und ihren Erfolgen – und das Ganze wird natürlich in stilvollem Design präsentiert. So zollt Saunders auf moderne Weise wagemutigen Pionieren vergangener Tage Tribut, wobei er dank seiner Expeditionen nun wohl auch selbst zur Rige der unerschütterlichen Entdecker zählt.

Ben Saunders Rede für Belstaffs Adventure Talks im South Kensington Club.

southkensingtonclub.com

bensaunders.com

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