Adventure Talks: Levison Wood

Als ehemaliger Korrespondent und Fallschirmjäger wusste der heutige Fotograf und Entdecker schon früh, dass ein typischer Bürojob ihn nicht erfüllen würde. Vor einer großen Menschenmenge in unserem Store in der Londoner New Bond Street spricht Levison Wood über seine Erlebnisse entlang des Nils und erklärt, wie man es mit einer tödlichen Schlange aufnimmt und warum die Begierde nach Abenteuer für ihn allgegenwärtig ist.

Der Drang nach Abenteuer begann für den ehemaligen Soldaten schon im jungen Alter von 18, als er von England nach Indien trampte. Ein Jahr Auszeit in Südafrika, Simbabwe und Sambia festigte diese Liebe zum Reisen und Entdecken, und so hat ihn sein beruflicher Erfolg in bereits mehr als 80 Länder weltweit geführt. Im Dezember 2013 brach Wood jedoch zu einer einzigartigen, mehr als 6.400 Kilometer weiten Reise auf, auf die ihn selbst die härteste Militärausbildung nicht hätte vorbereiten können. Hartnäckigkeit und Furchtlosigkeit standen an der Tagesordnung.

„Es ging mir immer darum, den Moment in der Geschichte festzuhalten“, erklärt Wood. „Ich begab mich weder als Historiker auf die Reise an den Nil, noch als sozialpolitischer Kommentator. Ich wollte einfach nur meine Reise zu Fuß durch sechs sehr unterschiedliche Länder und die dabei gemachten Erfahrungen festhalten.

„Walking the Nile“ ist die atemberaubende Geschichte von Woods neunmonatigem Rekordfußmarsch entlang des längsten Flusses der Welt – mittlerweile ein Bestseller und eine eindrucksvolle Doku-Reihe. Zwei Jahre lang bereitete Wood seine Reise vor, auf der er sechs afrikanische Länder durchqueren würde, angefangen im Dschungel von Ruanda bis hin zur Mittelmeerküste. Dabei nahm Wood es mit einigen der unwirtlichsten Umweltbedingungen der Welt auf, von den physischen Anstrengungen ganz zu schweigen: Die extremen Bedingungen ließen seine Füße auf das 1,5-Fache anschwellen! So ist es nicht verwunderlich, dass Woods Reisebericht voll von abenteuerlichen Erzählungen ist, in denen er von Nilpferden gejagt wurde, tödliche Schlangenbisse abwehrte, Temperaturen von bis zu 50 Grad standhielt und aktive Kriegsgebiete überlebte.

Eine der größten Gefahren auf seiner langen Reise war jedoch die Eintönigkeit. „Es gab Tage, an denen sich der Horizont auch nach einem meilenweiten Marsch einfach nicht veränderte“, sagt er. „Und das ist mental herausfordernd.“ In gefährlichen Situationen war Woods Militärausbildung, bei der er gelernt hatte „allzeit bereit“ zu sein, von unschätzbarem Wert. Auch die Schachtel Marlboro stellte sich immer wieder als wertvoller Reisebegleiter heraus. „In mindestens drei Situationen hat es mir das Leben gerettet, eine Schachtel Zigaretten bei mir zu haben. Ich selbst bin Nichtraucher, aber wie sich zeigte, rauchen die meisten bewaffneten Räuber in Afrika!“

Levison Wood walks the Nile
„Großbritannien ist ein Land mit einer langen Tradition an Abenteuer, Reisen und Entdeckung, und meiner Meinung nach ist Belstaff ein Unternehmen, das dies beispielhaft verkörpert.“

Wood beehrte die versammelte Menge im Belstaff Flagship-Store im Rahmen einer laufenden Veranstaltungsreihe zu Abenteuer-Vorträgen. Neun Monate ohne Haarpflege und Rasur sind vorbei und die Wunden sind verheilt (auch Woods Füße sind wieder auf ihre normale Größe zurückgegangen). Seine unglaublichen Videoaufzeichnungen und Fotos strahlen eine natürliche Wärme und Selbstvertrauen aus, zeigen jedoch auch eine Landschaft, die von Extremitäten, Not und unsagbarer Schönheit zeugt.

Die Länder, die Wood bereist hat, bieten zwar mitunter die schwierigsten Lebensbedingungen weltweit, doch es sind vor allem der Krieg, die Hungersnot, Korruption und die extreme Armut, die seelisch nur schwer zu überwinden sind. Wood hält daran fest, dass seiner Expedition keine ausdrückliche Botschaft zugrunde liegt, auch wenn er versucht hat, einige der anhaltenden Stereotypen Afrikas zu zerstreuen – und die Menschen, die er getroffen und dokumentiert hat, scheinen genau das widerzuspiegeln.

„Manchmal begann ich an mir zu zweifeln und fragte mich, ob es all das wert wäre. Aber ich konnte nicht einfach aufgeben. Es waren die Menschen, die mich immer wieder ermutigten“, sagt er.

Wood erklärt, dass die herzliche Gastfreundschaft, mit der er aufgenommen wurde, zuweilen überwältigend war. Jedoch hält er diese Art der Interaktion mit den Einheimischen für ein positives Anzeichen dafür, dass Afrika sich in der modernen Welt neu definiert. „Es war eine Reise in die Vergangenheit und gleichzeitig eine Reise in die Zukunft“, meint Wood über sein Erlebnis. „In Ruanda war jede Person über 20, die ich traf, entweder ein Opfer des Völkermords [von 1994] oder selbst ein Täter; was ich jedoch aus dieser Erfahrung mitnehme, ist ein unglaubliches Gefühl der Hoffnung und Versöhnung.“

Wood beendet seinen Vortrag mit einer Geschichte über einen betagten Kameltreiber, der mittlerweile als Fremdenführer arbeitet und behauptet, er sei 150 Jahre alt. „Ich glaube nicht, dass er ganz so alt war“, lacht Wood. „Aber als ich ihn fragte, warum er sich zu uns Abenteurern in die Runde gesellt hatte, antwortete er: 'Lev, ich bin ein sehr alter Mann und das Einzige, was ich wirklich erleben wollte, bevor ich sterbe, ist ein großes Abenteuer.'“

Das Konzept des Abenteuers ist also weder auf die westliche Zivilisation beschränkt, noch orientiert es sich an modischen Rucksackreisen, räumt Wood ein. „Es geht weit über Kulturen, Rassen und Alter hinaus. Diese Geschichte zeigt, dass alles heilbar ist – außer das Fernweh selbst.“

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