Adventure Talk: Rob Penn

Rob Penn gab seine Anstellung in London auf, um mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren. Die Strapazen seiner Reise durch vierzig Länder und fünf Kontinente haben seinen Elan aber nicht im geringsten gemindert.

Als Rob Penn 27 war, lief für ihn alles aalglatt: Er hatte Karriere bei einer Londoner Anwaltskanzlei gemacht, sein Leben lief nach Plan und seine Zukunft stand bereits fest. Doch eben dies gefiel ihm nicht. Im tiefsten Innern verspürte er einen Drang, dem er früher oder später nachgeben musste – den Drang, mit dem Fahrrad um die Welt zu reisen. Kurz darauf reichte er bei seinem aufgebrachten Chef die Kündigung ein: Er nahm an, Penn wäre zur Konkurrenz übergelaufen. Als er den wahren Grund erfuhr, hielt er ihn schlicht für verrückt.

Das alles geschah 1997. In den folgenden drei Jahren radelte Penn mehr als 40 000 km und bereiste dabei Nordamerika, Neuseeland, Australien, Asien, den Nahen Osten und Europa. Sein langfristiges Ziel war es, die Welt zu bereisen, doch für Penn wurde vielmehr der Weg zum Ziel. Penn erklärt mit rauer, erfahrener Stimme: „It's not about riding fast; it’s not about getting there; it's about the journey to get there. It doesn't matter when you get there or indeed even if you ever do, but keeping going on the road – that's the bit that counts.“ („Es geht nicht darum, schnell vorwärts zu kommen und auch nicht darum, überhaupt anzukommen. Das wichtigste ist der Weg dahin. Es ist egal, wann man ankommt, oder ob man überhaupt ankommt. Was zählt, ist stets voranzukommen.“)

Penn ist fest mit seinem Fahrrad verwurzelt. Beim Radfahren hat er eine fast schon spirituelle Verbindung mit seinem Rad aufgebaut, die er „Meditation in Bewegung“ nennt. Er fährt aus vielen verschiedenen Gründen Rad, die er „a ‚broad church‘ of ‚physical, practical and emotional reasons‘“ nennt („ein weites Feld bestehend aus körperlichen, praktischen und emotionalen Gründen“). Seit der dramatischen Wende in seiner beruflichen Laufbahn bildet das Radfahren die Basis seiner neuen Karriere als Journalist, Moderator und Autor. Er erklärt weiter: „I've always enjoyed trying to interpret what a bicycle means to me, so that means writing and riding a bicycle have always gone hand-in-hand.“ („Mir hat es schon immer Spaß gemacht, mein Verhältnis zum Fahrrad auszuloten, deshalb gehören Radfahren und Schreiben für mich seit jeher zusammen.“) „How you interpret that experience and how you make it resonate for as long as possible after you've got back is a really important part of the journey.“ („Die eigene Erfahrung beim Radfahren zu deuten und so lange wie möglich davon zu zehren, ist ein sehr wichtiger Teil der Reise.“)

Penn hat zwischenzeitlich zahlreiche Bücher über seine Leidenschaft verfasst, darunter 2010 den Bestseller It's All About the Bike: The Pursuit of Happiness on Two Wheels („Vom Glück auf zwei Rädern: Ein Buch für alle, die Fahrrad fahren“), das als Dokumentarfilm mit dem Titel Ride of My Life verfilmt wurde. Darin beschreibt er die geschichtliche und gesellschaftliche Bedeutung des Fahrrads und begibt sich selbst auf die Suche nach dem perfekten Rad. Derzeit besitzt er dreizehn Räder.

Bevor er sich auf Weltreise begab, las Penn Dervla Murphys Buch Full Tilt: Ireland to India with a Bicycle („Aus eigener Kraft: Mit dem Fahrrad nach Indien“). Die heute 83jährige Murphy fuhr in den frühen Sechzigerjahren mit dem Fahrrad von Irland nach Indien. Diese außerordentliche Leistung gab Penn letztendlich die Motivation, selbst auf große Reise zu gehen. Er schwärmt von der eigentlichen Botschaft des Buchs, die für ihn lautet: Man braucht nichts Besonderes für ein großes Abenteuer, außer einem Fahrrad und der Gabe, Menschen zu verstehen – und die besitzt er ganz bestimmt: „I'm a great believer that you don't want to get too tied up with planning and logistics – sometimes you just have to go. The best journeys start with an urge, a need to move, a desire to see new things.“ („Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich nicht so sehr auf Planung und Logistik versteifen sollte – manchmal muss man einfach losfahren. Die besten Reiseerlebnisse entstehen aus dem Drang heraus, sich zu bewegen und Neues zu erleben.“)

Heutzutage lebt Penn etwas ruhiger: Er hat sich in den walisischen Brecon Beacons mit seiner Frau, drei Kindern und seinen Hunden niedergelassen. Den Drang verspürt er allerdings noch häufig und man merkt deutlich, dass die Weltreise sein Leben sehr geprägt hat. Eine solch gewaltige Reise lässt sich nur schwer in einigen Highlights zusammenfassen. Penn wird philosophisch, wenn man ihn fragt, was ihm die 40 000 km beigebracht haben. Er sagt: „I learnt that kindness is innate within human beings. That you're better off travelling on your own because you're more sensitised. That you can communicate without language very powerfully, and that friendship is achievable within a remarkably short space of time.“ („Ich habe gelernt, dass alle Menschen von Grund auf ein gutes Herz haben. Dass man alleine reisen sollte, um ein besseres Gespür für seine Umwelt zu bekommen. Dass man sich auch ohne Sprache deutlich verständigen kann und dass man in überraschend kurzer Zeit Freundschaften schließen kann.“)

Penn liegt das Geschichtenerzählen: In seinen Texten kommt seine Schlagfertigkeit und Frohnatur stets zum Ausdruck. Sein Humor kräftigte auch seine Freundschaft mit Freddie Flintoff, dem ehemaligen Kapitän der englischen Kricketmannschaft. Zusammen fuhren die beiden 2013 die 1 200 km der brasilianischen Transamazônica mit dem Fahrrad entlang. Der daraus entstandene zweiteilige Dokumentarfilm Flintoff's Road to Nowhere war so erfolgreich, dass Anfang diesen Jahres ein zweiter ausgestrahlt wurde. In Flintoff: Lord of the Fries bereisten die beiden auf bequemere und skurrilere Art Großbritannien in einem Fischimbisswagen, womit sich Flintoff einen Kindheitstraum erfüllte.

Mit einem Repertoire an geistreichen Anekdoten und einer Slideshow mit Fotos, die jeden nur neidisch machen, hat sich Penn mittlerweile auch ein Karrierestandbein als Motivationsredner aufgebaut. Seit seiner Weltreise bezeichnet er sich selbst bescheiden als „a bit of a connoisseur of landscapes“ („einen gewissen Kenner unterschiedlicher Landschaften“) und zeigt in seinen Fotos abwechslungsreiche Schauplätze, von altertümlichen Städten zu gewundenen Landstraßen im Himalaya, sowie zahlreiche Ortsansässige. Bei diesem Anblick möchte jeder sofort die Kündigung einreichen und seinem Beispiel folgen.

Dies brachte Penn zu einem weiteren Projekt, dem seit neuestem seine ganze Aufmerksamkeit gilt: Bikecation.co.uk, eine Website für Fahrradurlaube. Obwohl er die Vorzüge des Solo-Reisens preist, befürwortet er auch geselligere Fahrradausflüge und schwingt sich dieser Tage gerne zusammen mit seinen Kindern und seiner – etwas weniger begeisterten – Frau aufs Rad.

„Fahrradfahren ist ein sehr geselliges Erlebnis. Gehen Sie mit Freunden und der Familie Fahrradfahren und Sie kommen mit einem Lächeln von Ihrem gemeinsamen Abenteuer zurück.“

Rob Penns Rede für Belstaffs Adventure Talks im neuen South Kensington Club.

southkensingtonclub.com
robpenn.net

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