Der Wüstenflüsterer

Nick Smith schreibt über Michael Asher, einen der erfolgreichsten Wüstenforscher unserer Zeit. Durch seine Abenteuer hat er eine tiefe Verbindung mit unserer Vergangenheit wiederentdeckt ...

Ténéré Desert.
Ténéré Desert. DEA / S. AMANTINI/De Agostini/Getty Images

Manche folgen dem Ruf der weiten Weltmeere, der einsamen Bergspitzen oder karger Polargebiete. Doch Michael Asher konnte schon seit jeher dem Ruf der Sandwüsten der Welt nicht widerstehen. Ob zu Fuß oder auf dem Kamelrücken: Seine Leidenschaft für die weiten Wüstenlandschaften treibt Asher schon seit fast einem Drittel Jahrhundert an. Dabei ist er ein wahrer Renaissancemensch, der sowohl als Forscher, als auch als Schriftsteller, Soldat, Philosoph und Aktivist unterwegs ist. Wie schon seine Vorfahren, die beiden berühmten Wüstenforscher T.E. Lawrence und Wilfred Thesiger, so ist auch Asher ein leidenschaftlicher Mensch mit einer klaren Meinung. Wenn Asher über die Wüste spricht, sind alle Ohren gespitzt.

Den beiden berühmten Wüstenforschern des 20. Jahrhunderts hat Asher eigene Biografien gewidmet. Außenstehende sehen die Wüste als das wohl unwegsamste Gelände überhaupt, da ihnen das Verständnis fehlt. Deshalb hat sich Asher in seiner Laufbahn als Autor und Fernseh-Dokumentarfilmer dem Ziel verschrieben, die Geschichte, die Archäologie und die Lebenswelt dieser Landschaft zu erklären. Alles begann Ende der Siebzigerjahre, als er nach abgeschlossenem Englischstudium an der Leeds University einen Lehrauftrag im Sudan annahm. Die übliche Laufbahn war aber nichts für ihn. Schon bald lernte er Arabisch und Swahili und verbrachte drei Jahre beim Kababisch-Nomadenstamm im Sudan und lernte neben ihrer Sprache auch ihre Bräuche und Lebensweise kennen. Er hat fast 50.000 km in der Wüste zurückgelegt und zwar auf traditionelle, erschöpfende Weise: zu Fuß und auf dem Kamelrücken.

Über die Jahre in den Wüsten der Welt hat er einen Durchbruch nach dem anderen erreicht. Seine vielleicht bedeutendste Leistung ist die erste West-Ost-Durchquerung der Sahara, von Mauretanien nach Ägypten, ganz ohne motorisierte Transportmittel. Asher und seine Frau Mariantoinetta Peru waren dabei stolze 271 Tage unterwegs. Die Entfernung: 7.250 km. Er ist unbeirrbarer Fürsprecher der Nomadenvölker der Wüste und engagiert sich leidenschaftlich für die Tiefenökologie, eine ganzheitliche Umweltphilosophie laut welcher das Leben an sich von Wert ist. Auch heute noch leitet er Wüstenwanderungen der echten Art, was für ihn bedeutet, sein ganzes Hab und Gut auf dem Kamel zu transportieren.