Vorreiter: von der Trialmaster zur Speedmaster

Richard Mellor spannt einen fiktiven Bogen von einer der symbolträchtigsten Jacken von Belstaff bis zum neuen Protegé des Ausstatters

'„Die Jacke, mit der alles begann“ – so wird die legendäre Trialmaster von Belstaff beschrieben. Den Klassiker aus Leder oder gewachster Baumwolle tragen berühmte Rennfahrer, Pioniere der Luft und Freiheitskämpfer schon seit hundert Jahren. Sie stand Pate für die neueste Jacke von Belstaff – die Speedmaster – und dazu gleich noch mehr.

Dabei nahm die Geschichte des Ausstatters Belstaff nicht mit der Trialmaster ihren Lauf. 1924 gründeten Eli Belovitch und sein Schwager Harry Grosberg das Unternehmen, das damals noch wasserdichte Jacken aus gewachster Baumwolle fertigte. Joe Wright, der damalige Motorrad-Rekordbrecher, wurde zwei Jahre später das, was wir heute als Markenbotschafter bezeichnen, und festigte somit den Ruf von Belstaff als Ausstatter britischer Geländerennfahrer.

Seinem wachsendem Abenteuerdrang gerecht werdend, kleidete Belstaff in den 1930er Jahren erstmals auch Pilotinnen wie Amy Johnson, die als erste Frau solo von England nach Australien flog. Im Zweiten Weltkrieg avancierte die Marke sogar zu einem offiziellen Lieferanten des britischen Kriegs- und Luftfahrtministeriums.

Here Be Dragons
Die Trialmaster Jacke

Die ikonische Trialmaster debüttierte 1948. Die schmale, figurbetonte Jacke sollte vor allem den Strapazen der schottischen Motorradrallye (Scottish Six Days Trial) standhalten. Die Jacke bestach von Anfang an durch revolutionäre Details: drehbare Armlöcher für bessere Vorwärtsrotation, vorgeformte Ärmel für verbesserten Tragekomfort, ein wasserfestes Futter sowie die berühmten vier aufgesetzten Taschen. In den 1950er Jahren kamen dann die knöchelhohen Trialmaster-Stiefeletten dazu – Militärstiefel mit Biker-Appeal. Beide unverkennbar britische Artikel vereinen gekonnt Funktionalität und Stil für waghalsige Draufgänger – eine Fusion aus sorgfältiger Vorbereitung und müheloser Extravaganz und typisch Belstaff.

Seit jeher sind das Prestige der Trialmaster und Promis eng miteinander verbunden. Ein junger Che Guevara trug die Jacke auf seiner Südamerika-Reise auf zwei Rädern, und Belstaff kleidete Steve McQueen für den Film „Gesprengte Ketten“ (engl. The Great Escape) von 1963. Schenkt man dem Gerücht Glauben, schlug er sogar einen Date mit seiner Freundin Ali MacGraw aus, um zu Hause seine Jacke neu zu wachsen.

Die historische Trialmaster wurde dieses Jahrtausend modisch neu aufgelegt. Belstaffs neue Speedmaster 2016 profitiert von den umfassenden Erfahrungen von Belstaff bei der Herstellung von Jacken und präsentiert sich als figurbetontes Modell mit stylishem Gürtel. Ihr von Hand poliertes gewaschenes Leder verleiht ihr ein authentisches Aussehen im Used-Look, der wie bei ihrer Vorgängerin auch den tollen Details zu verdanken ist: eine schräg angesetzte Brusttasche, die auch auf der Fahrt einen ungehinderten Zugriff ermöglicht, Ventilationseinsätze im Achselbereich und verstärkte Einsätze an Schultern und Ellbogen.

Here Be Dragons
Die Speedmaster Jacke

Während sich die Speedmaster auf ihre eigene Reise begibt, führt das Original von Belstaff aber keineswegs ein Schattendasein. Die Trialmaster weckt immer noch nostalgische Erinnerungen an Ausflüge aufs Land, ist heute aber auf Cocktailpartys genauso salonfähig wie am Körper von abenteuerlustigen und waghalsigen Draufgängern.

Richard Mellor

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