Eine wahre Pionierin: Amy Johnson

Amy Raphael beschreibt den Werdegang von Amy Johnson, einer der mutigsten Fliegerinnen der Geschichte.

Im Juli 1933 machte sich die Fliegerin Amy Johnson zusammen mit ihrem Ehemann Jim Mollison vom Strand Pendine Sands in Dyfed im westlichen Wales aus nach New York auf. Badende winkten den Fliegern in ihrem kleinen Propellerflugzeug „Seafarer“ zu, als es vom Strand abhob und in Richtung Westen flog.

Johnson mit ihrem Ehemann Jim Mollison am Flughafen Croydon im Dezember 1932.
Johnson mit ihrem Ehemann Jim Mollison am Flughafen Croydon im Dezember 1932. Roger Viollet/REX/Shutterstock

Pendine Sands ist ein herrlicher Strand, der sich über mehr als 11 km erstreckt. Im letzten Jahrhundert starteten hier zahllose Abenteurer, um Weltrekorde zu brechen. 1924 brach Sir Malcolm Campbell hier den Geschwindigkeitsrekord mit einem Landfahrzeug, den er drei Jahre später noch übertraf. Und erst letztes Jahr gelang dem Schauspieler Idris Elba hier ein neuer, britischer „Flying Mile“-Geschwindigkeitsrekord mit einem Landfahrzeug.

Johnson und Mollison hatten leider weniger Glück. Ihrer „Seafarer“ ging das Kerosin aus und das Flugzeug stürzte in Stratford, Connecticut, gute 100 km nordöstlich von New York City, ab. Beide Piloten erlitten Verletzungen.

Johnson hatte sich bis dahin nicht nur einen Ruf als weibliche Flugpionierin erarbeitet, sondern als Pionier im Flugsport schlechthin. Sie wurde im Juli 1903 in Hull geboren. Schon als Kind lebte sie ihre burschikose Seite aus und liebte den Wettkampf. Einige Jahre später gehörte sie zu eine der wenigen Frauen, die die Sheffield University besuchen durften. Sie schloss ihr BWL-Studium erfolgreich ab und fing als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei an. Schon bald darauf flog sie zum ersten Mal. Sie schrieb einem Freund: „Mollie and I went up in the aeroplane. We both enjoyed it, but I would have liked to have done some stunts.“ [„Mollie und ich sind ein Flugzeug geflogen. Es hat uns beiden viel Spaß gemacht, aber ich hätte gerne noch ein paar Stunts gemacht.“]

Amy Johnson vor dem Start des Rennens von London nach Newcastle im Mai 1931. Roger Viollet/REX/Shutterstock
Amy Johnson vor dem Start des Rennens von London nach Newcastle im Mai 1931. Roger Viollet/REX/Shutterstock

Es war klar, dass gemütliche Rundflüge dann und wann Johnson nicht erfüllen würden. Im Juli 1929 bestand sie ihren Pilotenschein und überredete ihren Vater, den Besitzer eines Fischverarbeitungsbetriebs, ihr zusammen mit Lord Wakefield ein Flugzeug zu kaufen. Später schrieb sie: „Had I been a man, I might have explored the Poles or climbed Mount Everest, but as it was my spirit found outlet in the air...“[„Wäre ich als Mann zur Welt gekommen, hätte ich vielleicht die Pole erforscht oder Mount Everest bestiegen. Aber so wurde der Himmel zu meinem Ventil ...“]

1930 trieb sie ihr Abenteurerdrang in die südliche Halbkugel in ihrem „de Havilland Gipsy Moth“-Flugzeug. Ihr Ziel war es, die bestehende Rekordflugzeit von Großbritannien nach Australien von 15 Tagen zu unterbieten. Aufgrund schlechten Wetters und technischer Probleme dauerte der Flug 19 Tage. Doch sobald sie wieder sicher in London landete, war Johnson zum Star geworden. Im Alter von 26 Jahren war sie die erste Pilotin, die allein von Großbritannien nach Australien flog. Dadurch wurde die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit geweckt: Rund eine Million Zuschauer säumten die Straßen Londons, als sie in einem Cabriolet zur Verleihung des Titels und Ordens Commander of the Most Excellent Order of the British Empire (CBE) zu König George fuhr.

Amy Johnson mit einem Flugzeug im Jahre 1939.
Amy Johnson mit einem Flugzeug im Jahre 1939. REX/Shutterstock

1931 wurde sie die erste Pilotin, die an einem Tag von London nach Moskau flog. 1932 heiratete sie Mollison. Ein Jahr später hob das Paar vom Pendine Sands-Strand ab und obgleich sie es in einem Flug nicht ganz bis New York schafften, wurden sie bei ihrer Ankunft in Manhattan als Helden gefeiert.

Johnson blieb der Fliegerei stets treu, doch ein Happy-End gab es für sie nicht. Sie ließ sich von Mollison scheiden, der angeblich keine überragende Flugpionierin zur Frau wollte, und verunglückte im Januar 1941 bei einem Absturz über der Flussmündung der Thames zwischen Blackpool und Oxfordshire tödlich. Ihre Leiche wurde nie gefunden, doch ihre Legende lebt weiter: Amy Johnson, die Flugpionierin, die über den Wolken am glücklichsten war. 1941 bei einem Absturz über der Flussmündung der Thames zwischen Blackpool und Oxfordshire tödlich. Ihre Leiche wurde nie gefunden, doch ihre Legende lebt weiter: Amy Johnson, die Flugpionierin, die über den Wolken am glücklichsten war.

Amy Raphael schreibt für Radio Times, The Guardian und The Times. Sie hat Steve Coogan und Sir David Hare beim Schreiben ihrer Autobiographien unterstützt, die bald erhältlich sind.

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