Ein Abstecher ins Abenteuer: Bikerstiefel

Der Bikerstiefel war lange Zeit das filmische Sinnbild Hollywoods für Rebellen, die ihre eigenen Wege gehen, sagt Mansel Flechter

"Bei der Ausstrahlung von „The Wild One“ (Der Wilde) 1953 protestierten die amerikanischen Importeure der Triumph Motorräder Johnson Motors dagegen, dass ihr Produkt mit Marlon Brando und seinen Black Rebels in Verbindung gebracht wurde. Jedoch hat ihnen die Verbindung gute Dienste geleistet - 62 Jahre nach seiner Ausstrahlung hat der Film Kultstatus und ist das Sinnbild von Rebellion. Von der allerersten Straßenaufnahme bis hin zur greifbaren Langeweile von Brandos Figur Johnny Strabler, erfasst der Film eine Art des Coolseins, die in den letzten sechs Jahrzehnten nichts von ihrer Stärke eingebüßt hat. "

Motorräder bleiben cool ebenso wie Triumph Motorräder, Pilotenbrillen, Bluejeans, schwarze Lederjacke und Bikerstiefel. Doch von diesen Faktoren sind es die Motorräder und die Stiefel die sich immun zeigen, und nicht wie die meisten anderen Totem-Faktoren der Jugend langsam verblassen. Motorräder und Stiefel verlangen eine Dosis an Engagement, die Männer von Jungen trennt: jeder Mann kann Jeans am Wochenende tragen, aber es gehört etwas mehr dazu, ein Motorrad zu fahren. Bei den Stiefeln, die Marlon Brando in „The Wild One“ (Der Wilde) trug und die zum Trend für Bikerstiefel wurden, handelt es sich um das klassische amerikanische Modell mit Blockabsatz und langen Riemen.

The Wild One, Marlon Brando, 1954. Photographer - Everett Collection/REX.
The Wild One, Marlon Brando, 1954

Nur zwei Elemente aus dem Film sind veraltet. Das erste und offensichtlichste ist die Musik. Die jazzartige Filmmusik von Leith Stevens und Shorty Rogers hört sich schrill an in einer Zeit, in der Jazz von seinen rebellischen Konnotationen weitgehend gereinigt ist. Der amerikanische Komponist Elmer Bernstein hatte einst beobachtet, dass Jazz nur in Filmen verwendet wurde, wenn „jemand ein Auto stiehlt“. Motorradgangs und die Bikerstiefel, die sie tragen, werden heute unauslöschlich mit Rock'n'Roll in Verbindung gebracht und diese Verknüpfung funktioniert in beide Richtungen. Über die Jahre haben Rockmusiker, wie Iggy Pop so viel Glaubwürdigkeit von Bikerstiefeln genommen wie sie zurückgegeben haben. Das zweite veraltete Element ist der Schnitt der Kleider. Aus unserem zeitgenössischen Blick sind Strablers Denim ziemlich locker geschnitten - und Bikerstiefel kommen am besten mit hautengen Jeans zur Geltung.

Das ist teilweise darauf zurückzuführen, wie die Motorräder sich über die Jahre hinweg entwickelt haben. Während die großen amerikanischen Motorräder (und man landet immer wieder beim Motorrad) immer wieder zu globigen Stiefeln tendieren, fühlen sich die leichtgewichtigen Motorräder aus Europa eher zu etwas Geschmeidigerem hingezogen. Deshalb passen klassische, britische Stiefel besonders gut zu hautengen Jeans, wie es häufig von Rockmusiker und Kate Moss' Ehemand Jamie Hince zur Schau getragen wird. Mit einem Outfit, das aus Stiefeln mit hautengen Jeans, einem engen T-Shirt und einer Lederjacke im Used-Look besteht, folgt er den Fußstapfen von Musikern, die bis in die Punkzeit reichen. Eines der attraktiven Dinge über Bikerstiefel ist, dass sie im Gegensatz zu Sneakers nicht für ein formelles Outfit zweckentfremdet werden können. Das Image von Bikerstiefeln ist zu stark, um verändert zu werden.

Die Welt, gegen die Johnny Strabler rebellierte, ist dabei, im kollektiven Gedächtnis zu verblassen, selbst wenn sein Image weiter besteht, aber ein halbes Jahrhundert nach Beginn einer Epoche der jugendlichen Rebellion durch „ The Wild One“ (Der Wilde) fing der Film „V For Vendetta“ (V wie Vendetta) 2006 die neue Stimmung des Protests und Aktivismus nach der Jahrtausendwende erfolgreich ein. Seine dunkle Kulisse hat Johnnys Amerika nichts zu verdanken, dennoch stimmen einige der Symbole, die für die Darstellung der zentralen Figur des Outsider-Status überein. Hugo Weavings Kultfigur V trägt die Belstaff Trialmaster, was beweist, dass Bikerstiefel immer noch für Coolness stehen.

Mansel Fletcher ist Kulturredakteur von mrporter.com

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