Zeitloser Stil: Charlotte Rampling

Das Pin-up-Girl der 60er-Jahre ist auch heute noch der Inbegriff von Sex-Appeal.

Wenn Charlotte Rampling in ihrer Rolle ist, dann wirkt es fast so, als ob sie sich der auf sie gerichteten Blicke überhaupt nicht bewusst ist. Ganz gewiss ist sie sich bei der Schauspielerei ihres Publikums nicht sehr bewusst. Mit ihrem bekannten „Jade-Blick“ zieht sie die Zuschauer magisch in ihren Bann. Ihre Augen scheinen zwar oft kühl, distanziert und reserviert, doch trotzdem kann man sich ihrem Blick einfach nicht entziehen.

Als Tochter eines Armeeoffiziers und einer Malerin, 1946 in Essex geboren, verzaubert Rampling seit jeher mit ihren hohen Wangenknochen und ihrem lässigen, sorglosen Auftreten. Im Alter von 18 Jahren hatte sie in Rotten to the Core der Boulting Brüder ihr Leinwanddebüt und stand bereits im Folgejahr für Georgy Girl neben Lynn Redgrave und James Mason vor der Kamera. Diese Filme machten sie bekannt – doch ihr Auftreten in London, wie sie in umwerfenden Outfits in ihrem Mini Cooper durch die Innenstadt fuhr, verschaffte ihr den Namen „Chelsea Girl“.

Anders als so manche aus ihrer Generation spricht sie nicht nur mit Nostalgie über die Sechzigerjahre. „Wir waren unglücklich“, sagt sie. „Immer die Regeln zu brechen und das alles, das war furchtbar. Das war alles nicht so witzig. Es schien immer so, als ob sich jeder furchtbar amüsiert, aber viele waren doch so auf Drogen, die hätten gar nicht mehr mitbekommen, ob sie noch Spaß haben.“

Charlotte Rampling

Rampling selbst ist aber weder spießig noch selbstgefällig geworden. Sie geht immer noch gern auf Risiko und lehnt sich auf, auch wenn sie sich jetzt ein wenig mehr zurückhält als noch in jungen Jahren. Wenn sie über sich selbst als junge Frau nachdenkt, sinniert sie: „Ich wollte immer auf der falschen Straßenseite gehen, immer gegen den Verkehr.“

Als Dirk Bogarde die Rolle des ehemaligen SS-Offiziers in Liliana Cavanis umstrittenem Film Der Nachtportier angeboten wurde, nahm er diese nur aus dem einen Grund an, weil er gemeinsam mit Rampling spielen würde. Dass der Leinwandheld so auf Ramplings Mitwirken beharrte, bezeugt ihr schauspielerisches Können. Ihm war sofort klar, dass der Film nur mit ihr zum Hit werden könnte.

Ihren Reiz hat sie aber ihrer Klasse und ihrem zeitlosen Stil zu verdanken. Erst vor Kurzem überraschte sie mit ihrem Auftritt in der britischen Fernsehserie Broadchurch, wo sie in jeder Szene brillierte. Fast übernatürlich schwebte sie dabei durch das Bild.

Charlotte Rampling

Sieht man sich ältere Fotos von Rampling in einem weit geschnittenen Streifenhemd an, mit einer Kamera in der Hand, dann erinnert ihr Schmollmund sicherlich an den von Kate Moss. Und eben dieser lässige und gleichzeitig sexy Look und Fotos von Rampling, in ihrem Sechzigerjahre-Wildledermantel mit Fransen, haben die Frühjahr-/Sommerkollektion 2015 von Belstaff inspiriert.

Diese Verbindung aus Nostalgie und Moderne übt eine unumstrittene Anziehungskraft aus – eben wie ihr Jade-Blick, mit dem sie uns immer nur fast direkt in die Augen sieht.

Amy Raphael ist Journalistin und Autorin zahlreicher Bücher über Musik und Filmikonen.

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