Che Guevara und Belstaff‘s Revolutionäre Gewachste Baumwolljacken

Text: Simon de Burton

Che Guevara on a motorcycle
Gael Garcia Bernal in Motorradtagebüchern

Als der junge Che Guevara sich aufmachte, Südamerika mit dem Motorrad zu erkunden, hatte er nur ein paar Habseligkeiten im Gepäck. Auf keinen Fall aber durfte seine gewachste Belstaff Baumwolljacke fehlen, die ihn vor Schürfwunden und Wetterwidrigkeiten auf der Fahrt schützte und wahrscheinlich ab und an auch als improvisiertes Kissen in Nächten unter freiem Himmel diente.

Die abenteuerliche Reise, die Che mit seinem Freund Alberto Granado und dem treuen Norton-Motorrad unternahm, dem die Freunde den Spitznamen "La Poderosa II" ("die Allmächtige") gaben, wurde 2004 in Die Reise des jungen Che filmisch dargestellt, mit Gael Garcia Bernal in der Hauptrolle. Der schlichte Stoff, aus dem die Oberbekleidung des Revolutionärs künftig gefertigt wurde, hat jedoch ebenfalls eine Geschichte zu erzählen.

Gewachste Baumwolle gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert. Man erkannte damals schon, dass man sich die wasserabweisenden Eigenschaften von in Öl getauchten Klippersegeln aus Flachsgarn zu eigen machen konnte, um auf ähnliche Weise Baumwolle für die Bekleidungsindustrie mit Leinöl zu imprägnieren.

Gael Garcia Bernal in Motorradtagebüchern
Che Guevara

Es dauerte allerdings noch bis zum frühen 20. Jahrhundert bis Belstaff und andere Pioniere der Textilindustrie die Kunst des Wachsens perfektionierten. So wurde Baumwolle langanhaltend wasserfest gemacht, ohne dass der Stoff abfärbte und auch bei kaltem Wetter weich und biegsam blieb.

"Immer mehr Motorradfahrern kam diese Entdeckung ganz besonders gelegen, vor allem in Ländern mit hohem Niederschlag wie Großbritannien. Die eng anliegende Belstaff Jacke mit Taillengürtel und schützendem Kragen wurde so zur ersten Wahl für praktisch veranlagte und zugleich stilbewusste Motorradfahrer. "

Von da an dauerte es nicht mehr lange, bis die Trialmaster Jacke ihr beliebtes einmalige Aussehen erhielt: zwei längliche Brusttaschen (eine davon schräg aufgesetzt zur Aufbewahrung von Landkarten), zwei große Seitentaschen, Armabschlüsse mit Knopfverschluss sowie Reißverschluss mit Knopfleiste.

Ihren Namen erhielt die Trailmaster dank ihrer Beliebtheit unter den Rennfahrern der Motorrad-Trials, während derer diese den starken Winden über Moorlandschaften ausgesetzt waren, reißende Flüsse überqueren und trostlose Piste hinauffahren mussten. Für solch sportliche Anforderungen benötigten sie eine warme, wasser- und reißfeste Jacke, die gleichzeitig bequem war und ausreichend Stauraum bot.

Belstaff Men and Women Waxed Jackets

Einer dieser Wettbewerbe, der Exeter Trial, wird bereits seit 1910 ausgetragen, und da ich selbst etwas masochistisch veranlagt bin, freue ich mich schon jetzt darauf, im Januar (ja, mitten im eiskalten Winter) an der 2015-Ausgabe des zermürbenden Langstreckenrennens teilzunehmen. Dabei fahren wir die Nacht durch, um 300 Meilen auf den historischsten und zugleich anspruchsvollsten Nebenstrecken des englischen Südwestens zurückzulegen.

Einen wichtigen Teil meiner Vorbereitungen macht dabei das Wachsen meiner Belstaff Trialmaster aus, die ich 1982 gebraucht erworben habe und seitdem nicht mehr hergebe. Diese Behandlung lohnt sich nicht nur wegen der Erneuerung der Schutzeigenschaften, sondern auch weil meine Belstaff Jacke mit jeder neuen Wachsschicht an Patina zulegt und somit ein weiteres Kapital ihrer Geschichte geschrieben wird.

Wer diese Arbeit nicht scheut, für den ist die neueste Belstaff Lederkollektion, deren Styles alle auf ähnliche Weise behandelt werden, genau das Richtige. Vielleicht gönne ich mir dieses Jahr etwas – wobei mir klar ist, dass eine neue Jacke nach 33 Jahren für Che sicher der Inbegriff von dekadenter Spießbürgerlichkeit gewesen wäre. Es sei denn, es handelt sich dabei um eine Trialmaster.

Simon de Burton hat Artikel in der Financial Times, Brummell und The Quarterly veröffentlicht

Die Geschichte ansehen

TEILEN