Rennsportlegende: James Hunt

Zum 25. Todestag der Motorsportlegende erzählt Richard Holt von der einzigartigen Anziehungskraft und dem Charisma einer der großartigsten britischen Sportler überhaupt.

Murray Walker bezog sich in einem kürzlichen Interview auf seinen Mitkommentator James Hunt, dessen Persönlichkeit auch noch als Formel-1-Ruheständler die „britische Öffentlichkeit in einem Würgegriffʺ hatte. Dieser Einfluss auf das öffentliche Bewusstsein — in Großbritannien und weit über die Grenzen hinaus — zeigt auch fast ein Vierteljahrhundert nach Hunts frühem Tod mit 45 Jahren keine abschwächenden Anzeichen.

Vordergründig ist Hunts Anziehungskraft leicht zu verstehen. Er war ein extrem talentierter Fahrer, verfügte über einen mühelosen Style, sah aus wie ein Filmstar mit einer honigsüßen Stimme und konnte mit seinem Charme jeden um den Finger wickeln. Aber in Hunt steckte viel mehr als diese Oberflächlichkeiten, auch wenn manches widersprüchlich erscheint. Alles zusammen ergibt gleichwohl das Geheimnis eines Mannes, der sich sein ganz eigenes Kapitel in den Geschichtsbüchern des Motorsports schrieb.

James Hunt in 1976 /REX/Shutterstock
James Hunt, 1976 /REX/Shutterstock

Eines seiner bekanntesten Zitate lautet: „To hell with safety, all I want to do is raceʺ [„Zur Hölle mit der Sicherheit. Ich will einfach nur Rennen fahrenʺ]. Er war willensstark und fuhr einen aggressiven Stil, der zu manchem Unfall führte. Daher bedachte man ihn schon früh in seiner Karriere mit dem Spitznamen „Hunt the Shuntʺ [„Hunt hat Bumsʺ]. Mut im Angesicht der Gefahr war der Schlüssel zu seinem Erfolg und dem Sieg der Weltmeisterschaft 1976 – mit Erringen des dritten Platzes in einem verregneten Rennen unter tückischen Bedingungen auf der japanischen Rennstrecke von Fuji.

Ihn als furchtlos zu bezeichnen, wäre weit von der Wahrheit entfernt. Seine Nervosität, bis hin zu Erbrechen vor einem Rennen, war bekannt. Eines der weniger bekannten Zitate lässt erkennen, wie stark ihn der hohe Einsatz im Motorsport beschäftigte: „My first priority is to finish above rather than beneath the groundʺ [„Meine oberste Priorität ist es, das Rennen über und nicht unter der Erde zu beendenʺ].

Hunt ist für seine Partys fast so berühmt wie für seinen Rennsport und die Geschichten über wilde Nächte mit Alkohol, Schlägereien und sexuellen Ausschweifungen sind legendär. Genau wie in den Rennen schien er am besten zu funktionieren, wenn er sich nah am Abgrund bewegte.

In der Saisonmitte 1979 war er mit seinem nicht konkurrenzfähigen Wagen anscheinend unzufrieden und zog sich plötzlich aus dem Rennsport zurück. An der Seite von Walker entwickelte er bei der BBC fortan eine erfolgreiche Karriere. Obwohl er weltgewandt war und einen trockenen Humor hatte, war der „Bad Boy” Hunt nicht in der Versenkung verschwunden. Bei einer Gelegenheit meinte Walker, der französische Fahrer René Arnoux führte seine Langsamkeit auf die schwierige Umstellung von Fahrzeugen mit Turbolader auf normale Saugmotoren zurück, woraufhin Hunt den Zuschauern am Sonntagnachmittag sagte: „And all I can say to that is "bullshit"ʺ [„Dazu kann ich nur sagen — Schwachsinnʺ].

James Hunt before the 1976 Japanese Grand Prix / Chris Barham / Upi/REX/Shutterstock
James Hunt,1976 Japanese Grand Prix / Chris Barham / Upi/REX/Shutterstock

Hunt war ein Adrenalin-Junkie. Er empfand den Rückzug vom Motorsport als schwierig, weil ihm die Gefahr fehlte, die ihn auf der einen Seite erschreckte und ihn gleichzeitig antrieb. Den Weltmeistertitel hat er nur einmal gewonnen und man kann endlos spekulieren, wo er in der Ruhmeshalle der ganz Großen im Motorsport sitzt und ob er vielleicht doch noch viel mehr hätte erreichen können, wenn er die dunkle Seite seiner Persönlichkeit besser unter Kontrolle bekommen hätte.

Aber es besteht kein Zweifel über seinen Status als einzigartige Motorsport-Ikone. Darum zollt Belstaff die gebührende Anerkennung mit der James Hunt Kollektion zum 40. Jubiläum des historischen Formel-1-Siegs. Hunt ist tragischerweise jung gestorben, aber sein Mythos wird noch eine sehr lange Zeit weiterleben.

Richard Holt ist Motorsportjournalist für The Telegraph

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