Rebellen für eine gute Sache

Der Rebellinnen-Stil ist überall in Hollywood zu finden, was beweist, dass das Verweigern, sich anzupassen, nicht nur eine Angelegenheit für Jungs ist, schreibt Amy Raphael

1968 erhält Marianne Faithfull in dem Film Girl on a Motorcycle (deutsch: Nackt unter Leder), von ihrem Leinwand-Liebhaber Alain Delon ein prächtiges schwarzes Motorrad. Noch atemberaubender jedoch ist Faithfulls Outfit: Sie liebt es, den Wind in ihrem Haar zu spüren und dabei nur einen figurbetonten, schwarzen Leder-Jumpsuit zu tragen. Der Film wurde in den USA als Naked Under Leather ausgestrahlt und ließ der Fantasie nicht mehr viel Spielraum.

Marianne Faithful in 'The Girl on the Motorcycle'
Marianne Faithful verkörpert in The Girl On A Motorcycle (deutsch: Nackt unter Leder, 1968) eine in Leder gehüllte Rebellin par excellence.

Etwa fünf Jahrzehnte später spürt man immer noch den anhaltenden Einfluss von Faithfulls verführerischer Biker-Eleganz. Zu diesem Zeitpunkt bewies Trinity, Carrie-Anne Moss' Rolle in The Matrix, eine Schwäche für einen fließenden Ledermantel. Diese Vorliebe kehrt auch in Hellboy zurück, wenn Selma Blair eine enge Lederjacke als Teil ihrer Verwandlung in die pyrokinetische Heldin Liz Sherman vorführt. Und in dem kürzlichen Film The Avengers trug Scarlett Johansson einen hautengen schwarzen Catsuit, genauso wie Anne Hathaway auf dem Rücken eines Super-Motorrads in The Dark Knight Rises.

Diese Hollywood-Figuren sind Rebellinnen für eine gute Sache: In einer Welt, die immer noch weitgehend um Männer strukturiert ist, beweisen sie durch eine Art von hart-aber-sexy-Kleidung Freiheit und Macht. Sie sind zufällige Feministen, die darauf bestehen, mit Männern als gleichgestellte und nicht überlegene Wesen eine Beziehung zu führen. In Amelia ist Hilary Swank dafür ein Paradebeispiel: Sie trug eine maßgeschneiderte Belstaff Bomberjacke, um die androgyne Amelia Earhart zu verkörpern, die erste weibliche Pilotin, die im Alleingang den Atlantik überquert hat.

Scarlett Johansson in 'The Avengers'
Scarlett Johansson liefert als Black Widow in The Avengers (2012) mit hautengem, schwarzem Catsuit Bikereleganz durch und durch.

Lederjacken oder Catsuits auf der Leinwand haben etwas tief Beschützendes. Sie sind nicht nur praktisch. Sie sind mehr als eine zweite Haut; manchmal sind sie sogar eine Waffe. Für ihre Rolle in Eastern Promises hat Naomi Watts gelernt, auf einem 200 kg schweren Motorrad zu fahren, bevor sie eine Belstaff Jacke und Belstaff Roadmaster Damenstiefel anzog, um die Motorrad fahrende Hebamme zu werden, die sich am Ende der brutalen Unterwelt russischer Immigranten in London stellen muss.

Nichts konnte Bella in The Twilight Saga: Breaking Dawn – Teil 2 vor Vampiren schützen, aber Kristen Stewarts doppelreihige Belstaff Lederjacke mit Reißverschluss verlieh ihr das Image eines Wildfangs mit auffallendem Look. Die Jacke war, nachdem der Film ausgestrahlt wurde, fast sofort ausverkauft.

Der Rebellinnen-Look in Hollywood holt sich definitiv Inspiration in der Rock-'n'-Roll-Welt, in der Stil zuhause ist. Kristen Stewart trug ihr Haar schwarz, ihre Jeans hoch geschnitten und ihre Lederjacke eng anliegend, um die Rolle der Joan Jett in The Runaways – einer Filmbiografie über die bahnbrechende amerikanische Mädchenband der 1970er-Jahre – zu spielen.

Während Faithfull schon lange aus ihrem schwarzen Leder-Jumpsuit herausgewachsen ist, beweist Jett in engen Lederhosen und Lederjacke Stil, seitdem The Runaways zum ersten Mal auf der Glam-Szene von Los Angeles erschien. Da könnte selbst Elvis nicht mithalten. Jett spielte in mehr als zwölf weiteren Filmen, aber ihr Beitrag zu den Film-Soundtracks ist noch beeindruckender. Es ist nur selbstverständlich, dass eine der am längsten überlebenden weiblichen Rebellen einen Song mit dem Titel Bad Reputation in einem Film namens Kick-Ass haben sollte.

Amy Raphael schreibt für Esquire, The Guardian und The Times und ist Autorin von Never Mind the Bollocks: Women Rewrite Rock.

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