Stärke durch Schlichtheit: das weiße T-Shirt

Seitdem Marlon Brando und James Dean ihren Stil in den frühen 1950er Jahren auf die Großleinwand und in das kulturelle Bewusstsein der Bevölkerung eingeprägt haben, sind Jeans mit weißem T-Shirt das Sinnbild für die Rebellion von Hollywood.

Brando bestätigte diesen Trend zuerst mit A Streetcar Named Desire (Endstation Sehnsucht) (1951) und The Wild One (Der Wilde) (1953) gefolgt von Dean mit …Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) (1955). Zusammen änderten diese Hauptdarsteller die Auffassung von dem, was cool war.

Das einfarbige weiße T-Shirt mit Rundhalsausschnitt und Jeans wurden ein zeitloser Klassiker, der sich gegen die wechselnden Modetrends durchsetzte und der seinem Träger sofort eine Persönlichkeit verlieh, ohne dass er etwas tat oder sagte - etwa so wie der Anzug seine Rolle am Ende der Kleiderauswahl für Businesskleidung erfüllt.

Jeans und T-Shirts stehen heute für Freizeitmode, aber bis zu den 1950er Jahren war dieser Look eher ein Symbol der Arbeiterklasse. Nur Männer, die körperliche Arbeit verrichteten - die auf Baustellen arbeiteten oder an Maschinen herumbastelten - trugen Denim und zogen sich aus bis auf ihre Unterhemden. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs trugen viele ehemaligen Soldaten als Oberbekleidung wieder ihre weißen Militär-T-Shirts als Symbol von Männlichkeit, Durchsetzungsvermögen, Stärke und Fleiß.  

Inspiriert durch diese bahnbrechenden Pin-ups für eine neue Generation rebellierten Brando und Dean - beides Kinder der Fünfzigerjahre - gegen die anständige Sonntagskleidung aus der Generation ihrer Eltern. Zum ersten Mal war ein lässiger Look cooler als ein elegantes Outfit. Der Teenager wurde geboren - und seine Uniform war das T-Shirt. Jede Gruppe konnte die leere Leinwand des weißen T-Shirts für seine eigenen Zwecke interpretieren. Halbstarke wie Jack Kerouac trugen sie, um ihre Verachtung gegenüber der echten Gesellschaft zur Schau zu stellen - sowie die Greasers, Biker und Rock'n Roller es taten.

Für diese neue Bewegung war Dean aber mehr als jeder andere das männliche Aushängeschild von Hollywood, insbesondere nach seinem tragischen, frühen Tod 1955 im jungen Alter von 24 Jahren. Im Trailer seines letzten Films Giganten, der erst nach seinem Tod ausgestrahlt wurde, nannte man ihn „den Star, der zu einer Legende wurde und der für die rastlose Jugend sprach, wie es vorher noch nie jemand getan hat“. Diese Beschreibung - sowie alle lässigen, herausfordernden Bilder von ihm, die immer noch weiterleben - gilt auch noch 60 Jahre später.

Andere Kultikonen folgten bald. Elvis Presley vergötterte Dean, eignete sich Elemente seines Looks an und nicht zuletzt die Arbeitskleidung. Er begann sogar mit der Schauspielerei und unternahm damit einen Versuch, in seine Fußstapfen zu treten. Später befürworteten John Travolta in Grease und Henry Winkler als Fonzie seinen rebellischen Rock-n-Roll-Look.

US actor Steve McQueen (R) takes a break during the international motorcycle race "Six Days" at Erfurt
Der amerikanische Schauspieler Steve McQueen (rechts) macht eine Pause bei der internationalen Sechstagefahrt in Erfurt, 1964.

1955 fotografierte die Fotografin Eve Arnold einen jungen, hinreißenden Senkrechtstarter in Actors Studio. Er war der einzige im Publikum, der lässig in Jeans und weißem T-Shirt gekleidet war. Seine Name: Paul Newman. In den Sechzigern und Siebzigern waren Newman und Steve McQueen die Verkörperung des coolen Mannes. Männer wollten wie sie sein; Frauen wollte mit ihnen zusammen sein. Und fast jedes Foto, das von ihnen aufgenommen wurde, präsentiert aufgrund der Schlichtheit ihrer Outfits eine zeitlose Qualität. Ihr Look ist heute so frisch wie damals. Fragen Sie einfach David Beckham.

Bedeutend ist auch, dass junge Frauen die befreiende Zwanglosigkeit von Jeans und T-Shirts für sich entdeckt haben. Einige der kultigsten und meist fotografierten Stars weltweit - von Grace Kelly und Brigitte Bardot bis Sophia Loren und Marilyn Monroe - haben dazu beigetragen, diesen Look zu verweiblichen. Rebellinnen der modernen Ära wie Kate Moss und Lana Del Rey halten diesen Look heute am Leben

Genauso wie ein gut geschnittenes T-Shirt einer gut gepolsterten männlichen Figur schmeicheln kann - denken Sie an Clint Eastwood in Every Which Way But Loose (Der Mann aus San Fernando) (1978) oder Ryan Gosling in Only God Forgives (2013) - so hebt die eng anliegende Baumwolle in einer hochtaillierten Jeans die Sanduhr-Silhouette einer Frau perfekt hervor.

Die Kombination aus weißem T-Shirt und Jeans war und ist immer noch ein visuelles Symbol für die freigeistige Jugend und rebellische Coolness.   

Dan Rookwood ist der amerikanischer Redakteur von mrporter.com

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