Der Ace Café-Stil

Simon de Burton erkundet weitere Aspekte des Bikerstils der Sechzigerjahre und ergründet die anhaltende Beliebtheit der damaligen Oberbekleidung, insbesondere der charakteristischen Lederjacke

Riders outside the Ace Cafe. Getty Images
Der Ace Cafe. Getty Images

Auch wenn man es sich heute kaum noch vorstellen kann, liegen die Zeiten, in denen der bloße Anblick einer Leder-Bikerjacke Angst und Hass in Nicht-Gleichgesinnten erregte, gar nicht so lange zurück. Träger wurden automatisch als unberechenbare Rebellen abgestempelt, die sich gegen Norm und Sitte auflehnten und sich nur um Rock'n'Roll, sich selbst und – wie könnte es anders sein – ihre Maschinen kümmerten.

Doch die klassische Lederjacke mit asymmetrischem Verschluss – wie beispielsweise die Ashworth Jacke der neuen Herbst-/Winterkollektion von Belstaff – kann auf eine reiche und edle Geschichte zurückblicken, die bis in die Zwanzigerjahre zurückreicht, als der charakteristische Stil mit überlappender Vorderseite populär wurde.

Innerhalb von 20 Jahren entwickelte sich der Grundschnitt zu einer Variante mit Zierteilen, wie Schulterklappen, Fransen und Nieten. Die Träger selbst gestalteten ihre Jacken außerdem persönlich mit Malereien (die klassische karierte Flagge des Motorsports war dabei besonders beliebt) und bedeckten sie üppig mit emaillierten Ansteckbuttons und Aufnähern.

Und dank des taillierten Schnitts, des knalligen Steppfutters und des legendären Stehkragens wurde die Bikerjacke schon bald zum modischen Trendstück. Verantwortlich hierfür waren nicht zuletzt bekannte Träger, angefangen mit Elvis Presley über James Dean bis hin zu Brigitte Bardot und den Beatles.

Die Herbst-/Winterkollektion von Belstaff orientiert sich an dieser Ära, schöpft den praktischen Stil der klassischen Lederjacke aus und erweist Sinn für Detail und Verarbeitung, die das Design von seiner besten Seite erstrahlen lassen. Dabei weicht Belstaff vom Farbcredo Henry Fords ab: „any colour, so long as its black“ [„alle Farben sind erlaubt – solange sie schwarz sind“]. Motorradbekleidung erstrahlt seit jeher in mehreren Farben, sodass sich die neuen Overalls im Vintage-Look beispielsweise in sattem Kastanienbraun präsentieren und Bikerjacken ein Farbtupfer verpasst wird.

Belstaff HW15 Kollection

Doch die praktische, robuste Lederbekleidung hat den Street-Style der Biker nicht alleine bestimmt. Gewachste Baumwolle, die zuerst bei Motorradfahrern aufgrund ihrer wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften Beliebtheit fand, wurde bald weltweit begehrt, wofür vor allem Belstaff zu danken ist: Das Unternehmen rückte das höchst anpassungsfähige Material, das sich für elegante und dabei praktische Stücke mit schmeichelhafter Passform eignet, wieder in den Mittelpunkt.

Typische Vertreter des Looks sind die Trialmaster und die Tourmaster Jacken, die in der Herbst-/Winterkollektion 2015 vertreten sind. Grob gestrickte Strickware ist dabei der ideale, wärmespendende Begleiter, der eine Spritztour in den kühlen Morgentemperaturen gleich viel angenehmer macht. Sie machen sich aber auch beim Besuch des Lieblingscafés sehr gut.

Simon de Burton schreibt für die Financial Times, The Telegraph und The Spectator

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