Das Vergnügen, die geliebte Jacke zu wachsen

Für Simon de Burton ist das Wachsen seiner Jacke ein spirituelles Erlebnis

Wenn man vom „Wachsen“ spricht, löst der Begriff bei Menschen unterschiedliche Konnotationen aus. Kosmetiker und deren Kunden denken dabei wohl an ein schmerzhaftes Enthaarungsverfahren; Surfern kommt zuerst ihr Surfbrett in den Sinn, das sie so griffiger machen; und Autoliebhaber bekommen beim Glanz, den ein Wachsfilm ihrem begehrten Wagen verleiht, glänzende Augen.

Belstaff Fans hingegen denken beim „Wachsen“ schlicht an eines: den befriedigenden Akt, begleitet von feuchter Luft und unvergleichlichem Ölaroma, den das Wachsen der eigenen Baumwolljacke darstellt, die so mindestens eine weitere Saison lang Schutz gegen die Elemente verspricht.

Waxed Jackets

Viele treue Belstaff Träger empfinden den Brauch, die viel getragene Trialmaster Jacke in einer kalten Winternacht in die warme Stube zu bringen, sie auszubreiten und mit liebevollen Bewegungen zu reinigen, als ganz besonderes Vergnügen. Zuerst wird der Deckel der Belstaff Wachsappretur vorsichtig geöffnet und der Tiegel in warmes Wasser getaucht – aber auf keinen Fall zu lang. Das Wachs sollte eine weiche, cremige Konsistenz haben.

Dann beginnt man, das Wundermittel zuerst in die Nähte einzumassieren, bevor die gesamte Jacke in Wachsglanz erstrahlt. Nehmen Sie sich Zeit. Gönnen Sie sich dazu beispielsweise einen Single Malt Whisky. Das Wachsen ist ein Ritual und sollte nicht zur lästigen Aufgabe werden.

Sind die Nähte alle versiegelt, kommen Vorderseite, Rückseite, Kragen und Gürtel an der Reihe. Jede Partie hat sich eine ordentliche Wachsschicht gleichermaßen verdient. Fühlte sich die Lieblingsjacke vor der Wachsbehandlung noch etwas spröde an, präsentiert sie sich nun weich und geschmeidig. Eben so, wie sie früher einmal war. Und eben so, wie sie immer sein sollte.

Und dabei steht der Höhepunkt erst noch an: Mit einer Borstenbürste wird die Jacke nun vorsichtig poliert. So entsteht der einzigartige Schimmer, in welchem heißgeliebte Belstaff Jacken seit über 80 Jahren erstrahlen. Der Look lässt sich mit den Worten „Retro“, „Vintage“ oder „Antik“ beschreiben. Der Glanz einer frisch gewachsten Belstaff Jacke stellt aber vor allem eines dar: den Schutz gegenüber Wetter und Naturgewalten. Und dieses Versprechen gilt schon seit Jahrzehnten.

Wie ein begehrtes, regelmäßig poliertes Möbelstück, so erhält auch die Belstaff Jacke über die Jahre eine einmalige Patina, mit der übliche Kleidungsstücke nicht mithalten können. Diese sehen mit der Zeit schlicht alt aus.

Wenn Sie Ihre Belstaff Jacke gut und häufig wachsen, sind Ihnen die bewundernden Kommentare anderer gewiss.

Alles hat dabei aber sein Maß: Es wird gemunkelt, dass Hollywood-Legende Steve McQueen beispielsweise seine Freundin (und spätere Frau), Ali MacGraw, bekannt aus Love Story, versetzte, weil seine Trialmaster nach einer besonderen „Behandlung“ schrie.

Ein Romantiker hätte zumindest seine Freundin gefragt, ob sie vielleicht gemeinsam einen Wachsabend verbringen wollen. Denn das Verfahren hat gewisse romantische Allüren.

Obgleich sich dabei die Angebetete (die Frau) die Aufmerksamkeit des Partners mit einer anderen Angebeteten (der Jacke) teilen muss ...

Simon de Burton schreibt für Esquire und die Financial Times

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