Das Zirkuszelt

In Filmen werden subversive, eigenartige und gruselige Zirkusse normalerweise am Stadtrand angesiedelt, eben dort, wo sich die Heimatlosen, Streuner und Außenseiter der Gesellschaft aufhalten.


Zirkusse werden oft als traurige oder tragische Orte dargestellt, an denen die Verlorenen und Ausgestoßenen Unterschlupf finden. Doch Zirkusse können auch eine kraftvolle Energie ausstrahlen. Die Zähigkeit rührt nicht nur von den riskanten Vorführungen und todesmutigen Stunts her, sondern auch vom Eingeständnis des eigenen Außenseiterstatus, der gemeinsam mit Gleichgesinnten gefeiert wird, die so eine Gemeinschaft bilden. Dazu kommen noch die Stärke der Fantasie und die Jenseitigkeit. Der Zirkus ist ein Ort, der von der Vorstellungskraft regiert wird und an dem normale, erdliche Regeln nicht gelten. Wie auf viele Filme zum Thema Zirkus, trifft das auch auf Outlaws zu.

Zirkusse werden oft als traurige oder tragische Orte dargestellt, an denen die Verlorenen und Ausgestoßenen Unterschlupf finden. Doch Zirkusse können auch eine kraftvolle Energie ausstrahlen. Die Zähigkeit rührt nicht nur von den riskanten Vorführungen und todesmutigen Stunts her, sondern auch vom Eingeständnis des eigenen Außenseiterstatus, der gemeinsam mit Gleichgesinnten gefeiert wird, die so eine Gemeinschaft bilden. Dazu kommen noch die Stärke der Fantasie und die Jenseitigkeit. Der Zirkus ist ein Ort, der von der Vorstellungskraft regiert wird und an dem normale, erdliche Regeln nicht gelten. Wie auf viele Filme zum Thema Zirkus, trifft das auch auf Outlaws zu.

Die Schauspielerin in Outlaws erinnert an Gelsomina aus dem Film La Strada – Das Lied der Straße. Die schöne, aber kindliche Gelsomina wurde von ihrer Mutter an Zampano verkauft, einem ausfälligen, groben Schausteller in einem Wanderzirkus. Sie muss als Zampanos Assistentin arbeiten, wird von ihm ausgepeitscht und schlecht behandelt. Doch sie bleibt passiv, ruhig und gehorsam. Als sie auf Matto, Zampanos alten Rivalen treffen, träumt sie nur davon, auszubrechen und frei zu sein. Zampano und Gelsomina entwickeln letztendlich eine gegenseitige Abhängigkeit, wodurch ihre Stärke und seine überraschende Schwäche bewiesen werden.

Solveig Dommartin and Katherine Waterston


In Wim Wenders Film Der Himmel über Berlin aus dem Jahr 1987 schweben die Engel Damiel und Cassiel über Ost- und West-Berlin. In einem Zirkus fällt ihnen Marion, die hübsche Trapezkünstlerin, auf und sie folgen ihr durch die städtische Wüstenei des geteilten Berlins. Die Rolle der Trapezkünstlerin in einem ungepflegten, traurigen Zirkus wurde mit der charismatischen Schauspielerin Solveig Dommartin besetzt. Sie lernte für den Film einige Wochen Zirkusakrobatik in Paris und verleiht so dem düsteren Milieu ein fantastische Magie.

Wie Wenders in seiner Abhandlung über Der Himmel über Berlin sagt: „Ich wollte ihr eine gefährliche Arbeit geben – damit sie Damiel bezirzen konnte, der selbst niemals Gefahr lief, zu fallen. Und daher stellte ich mir das Mädchen als Akrobatin vor, die mit Glitzerflügeln unter dem großen Zirkuszelt flog. Bei ihrem Anblick würde der Engel zweifelsohne lachen und sich vielleicht sogar verlieben.‟) Damiel ist so von Marion besessen, dass er seine Unsterblichkeit aufgibt, um mit ihr auf Erden zu leben. Der Zirkus wird hier, obwohl er schäbig ist, zu einem Ort des Wunders, weit entfernt vom Staub Berlins; er wird zu einem Ort, an dem sich verlorene Seelen finden können.

In David Lynchs FilmElefantenmensch (1980), der auf der wahren Geschichte von Joseph Merrick (im Film John genannt) basiert, findet der Arzt Frederick Treves im 19. Jahrhundert auf einem Jahrmarkt in einem Monstrositätenkabinett einen entstellten Mann. Treves zahlt, damit Merrick zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht wird und merkt dabei, dass John überraschend sensibel und intelligent ist.

Auch im Elefantenmensch wird der Zirkus, diesmal als Monstrositätenkabinett, als ein Ort beschrieben, an dem sich verlorene Seelen treffen, oftmals eben dort, wo Horror und Grausamkeit aufeinandertreffen. Hier hallen Themen wider, die in den wegweisenden und erschreckenden Horrorfilmen Freaks (1932), Das Kabinett des Doktor Caligari (1920) und Circus of Horrors (1960) behandelt wurden, darunter Ausbeutung, Versklavung, Monstrositäten und Trennung von der Gesellschaft, sowie Ängste vor dem, was die Allgemeinheit nicht versteht. Doch gleichzeitig sind es die Schausteller, die eine schlichte Würde zeigen und sich als Menschen mit Moral und Ehre erweisen. Der echte Horror zeigt sich in der Behandlung durch jene, die sie gefangen halten. Selbst nachdem Merrick aus der Misere des Monstrositätenkabinetts gerettet wurde, wird er für Treves' vornehme Freunde zu einer Art Zirkusfreak.

Ewan McGregor as Edward Bloom in Big Fish


Die erstaunlichsten und ekstatischsten Interpretationen des Zirkus sehen wir in Filmen wie Die größte Schau der Welt (1952) und Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (2003), in denen der Zirkus als Mittel zum Geschichtenerzählen dient, das das menschliche Vorstellungsvermögen weckt. Beim Film Die größte Schau der Welt traten Hollywood-Schauspieler wie Charlton Heston und James Stewart der 1400 starken echten Truppe des Zirkus Ringling Bros. and Barnum & Bailey bei, um einen Tag im Zirkus einschließlich einiger Katastrophen, Liebesaffären und Rätsel darzustellen.

Dieses Gefühl von Wunder wird auch in Big Fish nachempfunden. Edward Bloom erzählt seinem Sohn seine Lebensgeschichte anhand von fantastischen Bildern, einschließlich der Zeit, die er im Calloway Zirkus verbracht hat. In diesem Zirkus verliebte sich Bloom Hals über Kopf in eine Frau, so dass die Zeit im wahrsten Sinnes des Wortes still stand: Popcorn verharrte in der Luft, als er sie zum ersten Mal sah. Wenn auch frustrierend für seinen Sohn, so enthüllen Blooms fantastische Erzählungen doch eine wunderbare Vorstellungskraft und eine Begeisterung für das Fantastische, die sich darin widerfindet, dass er alle wichtigen Menschen in seinem Leben mit dem Zirkus in Verbindung bringt.

In diesen beiden Filmen dient der Zirkus als Mittel zum Geschichtenerzählen und als magischer Ort – wie auch in Outlaws Outlaws bedient sich in der Tat aller kleinen Facetten der Zirkusfilmgeschichte und vermengt sie zu einem Ganzen, das gleichzeitig verführerisch, fantastisch, fesselnd und ein wenig gefährlich ist.


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