Waghalsige Stunts

Erfahren Sie mehr über die Geschichte der waghalsigen Motorrad-Stuntmen, vom Erklimmen der Jahrmarkt-Steilwand bis hin zum Sprung über 13 Londoner Busse.

David Beckham as The Stranger in Outlaws


Es ist allgemeinhin bekannt, dass die Münchner Firma Hildebrand & Wolfmüller 1894 das erste serienmäßig produzierte Motorrad der Welt herstellte. Doch schon kurze Zeit später begannen Pioniere der Motorradwelt, ihre Maschinen für weit mehr als nur zur Fortbewegung zu nutzen: Sie wollten ihre Motorräder zur Schau stellen. Und so kam es zur Geburtsstunde des Motorrad-Stunts.

Schon 1915 gab es in den USA die ersten Steilwände, also hohe Holztrommeln, in denen draufgängerische Motorradfahrer in atemberaubender Geschwindigkeit im Kreis entlangrasten während die Zuschauer von oben hinabsahen.So bekam die Jahrmarktsattraktion auch bald den Spitznamen „Todeswand“.

Der makabre Beiname tat der Begeisterung der Stuntmen aber keinen Abbruch, die sich an immer gewagteren Tricks übten und so auf dem Lenkrad sitzend oder sogar rückwärts fuhren. Manche fuhren sogar mit Beiwagen, in denen Löwen oder Bären zu Beifahrern wurden.

Doch viele sehen in dem Amerikaner Orren „Putt“ Mossman den eigentlichen ersten Motorrad-Stuntman. Sein erstes Motorrad kaufte er sich 1926 im Alter von 20 Jahren, und nutzte sofort die Gelegenheit, Damen vor Ort mit seinen Tricks zu beeindrucken, indem er auf dem Sattel stehend an ihnen vorbeifuhr. Mit diesem Trick legte er den Grundstein für eine 40 Jahre währende Karriere. Während dieser Zeit sprang Mossman mit dem Motorrad über Flüsse, jonglierte beim Fahren mit rohen Eiern, bretterte durch Glasplatten hindurch und stürzte in Becken mit durch Fracking zum Brennen gebrachtem Wasser.

Evel Knievel


Putt Mossmans Erfolg mit seinem American Motorcycle Rodeo Circus und den Speedway Aces umfasste 45 Länder weltweit. Doch es bedarf der Beliebtheit des Fernsehens nach dem Zweiten Weltkrieg, um den wohl legendärsten Motorrad-Stuntman aller Zeiten zu küren: Evel Knievel.

Der extravagante Knievel erlangte internationale Berühmtheit, indem er mit dem Motorrad über immer länger werdende Fahrzeugreihen sprang. 1967 versuchte er sogar, über die Brunnenanlage des Caesars Palace Hotels in Las Vegas zu springen, was aber zu einem von vielen schweren Unfällen führte, die ihn jedoch auf seltsame Art und Weise nur noch berühmter machten.

Auch der Sprung über den Snake River Canyon in Idaho, in einem raketenähnlichen Gefährt – der Skycycle X-2 – fiel zu kurz aus. Und auch 1975, beim Sprung über 13 Busse im englischen Wembley-Stadium verlor er vor 90 000 Zuschauern die Kontrolle über sein Motorrad. Knievel entschloss sich schließlich noch im selben Jahr, seinen letzten Stunt zu machen. Mit seinem Sprung über 14 Greyhound-Busse in Ohio stellte er einen Rekord auf, der erst 24 Jahre später gebrochen wurde.

Seine Furchtlosigkeit inspirierte eine ganze Generation an Motorrad-Stuntmen, darunter den Engländer Eddie Kidd, der eine spektakuläre 20jährige Karriere mit zahlreichen Rekord-Sprüngen genoss. Er gewann sogar ein Duell in Mississippi, zu welchem er 1993 von Evel Knievels Sohn Robbie herausgefordert wurde und welches die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog. Nur drei Jahre später verunglückte Kidd jedoch bei einem relativ normalen Sprung und zog sich schwere, chronische Verletzungen zu. Sein Können und sein Stil leben jedoch in den Stunt-Szenen der James Bond-Filme Der Hauch des Todes und Goldeneye fort.

Evel Knievel


Der König unter den Motorrad-Stuntmen ist für viele jedoch der legendäre, bereits verstorbene Bud Ekins. Die Krone gebührt ihm für viele allein aufgrund seines spektakulären Sprungs über einen Stacheldrahtzaun, als Double für seinen Bikerkollegen Steve McQueen im Filmklassiker von 1963, Gesprengte Ketten.

Doch selbst die Leistung Ekins scheint nur ein blasses Abbild der durch und durch außergewöhnlichen Stunts der extremen Motorrad-Stuntmen von heute. Für den ehemaligen Stunt-Europameister AC Farias beispielsweise ist ein Wheelie ohne Hände erst anspruchsvoll, wenn er dabei noch Maultrommel spielt. Und die beliebtesten Attraktionen bei Motocross-Veranstaltungen sind stets jene, bei welchen die Gesetze der Physik scheinbar außer Kraft gesetzt werden und der Stuntman oftmals mitten in der Luft vom Motorrad und wieder zurück in den Sattel springt. Selbst Putt Mossman würde da vor Ehrfurcht erblassen ...


TEILEN