Uniform der Rebellen: Lederhosen

GQ-Redakteur Dylan Jones enthüllt, wie Jim Morrisons Kleiderauswahl einen Rock-and-Roll-Trend für unkonventionelle Outsider geschaffen hat

Los Angeles hat viele Rebellen ans Tageslicht gebracht, aber keinen mit einem so langanhaltenden Ruf und Einfluss wie Jim Morrison. Er trank sich nicht nur zu Tode, er war nicht nur Leadsinger der Band The Doors, die in keinem stärkeren Gegensatz zu den Beatles stehen hätte können, diese Rolle war ihm außerdem wie auf den Leib geschrieben. Weil niemand ein Paar Lederhosen so gut tragen konnte wie Jim Morrison.

Hin und wieder greift Hollywood gerne ein junges, verrücktes Idol auf. In den frühen 1950er-Jahren war es Marlon Brando, der sich 1953 im Film Der Wilde in schwarzem Leder zur Schau stellte. Ihm folgten bald darauf James Dean, Montgomery Clift, Paul Newman und Steve McQueen, feurige Hauptdarsteller, die von den Pressesprechern und Fotografen immer wieder dazu überredet wurden, Bluejeans und schwarzes Leder zu tragen. Und obwohl Jim Morrison ein Rockstar und kein Filmstar war, stolzierte er mit demselben Eifer durch sein relativ kurzes Leben (er starb 1971 in Paris an einer vermeintlich zufälligen Überdosis an Heroin), als würde er permanent gefilmt werden.

Jim Morrison made leather trousers synonymous with rock music
Jim Morrison haben wir es zu verdanken, dass Lederhosen heute zum Sinnbild der Rockmusik und Rebellion geworden sind.

Jim Morrison war der Rockgott von Hollywood. Bei Tag führte er seine Band durch intensive Aufnahmesessionen – es entstanden Klassiker wie Light My Fire, Hello, I Love You und Riders on the Storm – und abends suchte er diverse Bars in Hollywood und der Innenstadt von Los Angeles auf, wo er Ausschau nach Mädchen, Drogen und Gefahr hielt. Und er sah so unglaublich glaubwürdig aus in diesen Lederkniehosen, als wären sie ihm auf die Beine gepflanzt. Lederhosen sind heutzutage in der Garderobe eines Rockstars nicht wegzudenken, dabei war es Jim Morrison, der ihnen ein echt unkonventionelles Profil aufprägte.

Suzi Quatro in leather trousers
Suzi Quatro standen Lederhosen fast genauso gut wie ihre Bassgitarre.

In den späten 1950er-Jahren nutzten Rocker wie Gene Vincent schwarzes Leder als Mittel, ihren Outsider-Status zu übermitteln, dennoch wurde es immer als Domäne des sich raufenden Teenieidols angesehen und nicht als Wahl eines echten Rockidols. Als Jim Morrison – ein Mann, der sowohl von Hippies als auch von 16-jährigen Mädchen vergöttert wurde – schwarzes Leder zu tragen begann, schaffte er nicht nur einen Rock-and-Roll-Trend (einen, der von Idolen wie Julian Cope und Depeche Mode über Justin Bieber und The Clash, John Lydon und Robbie Williams bis zu Bruno Mars und Lenny Kravitz und von den weiblichen Rockern wie Suzi Quatro und Joan Jett kopiert wurde), sondern verlieh der Kleidung eine Bedeutung, die sie ins Modeemporium beförderte. Sehr wenige Leute wollten so aussehen wie Gene Vincent, wohingegen jeder Jim Morrison ähnlich sein wollte.

Dylan Jones ist Redakteur von GQ, Chefredakteur von GQ Style und Vorsitzender von London Collections: Men. Sein neues Buch Jim Morrison, Mr Mojo, wird im April von Bloomsbury herausgebracht.

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