I Put a Spell on You

Das Kultlied von Screamin' Jay Hawkins (1955), das auch in The Outlaws vorkommt, wird schon seit jeher mit den dunklen Mächten in Verbindung gebracht

Screamin' Jay Hawkins


Ich wurde erstmals 1955 aufgenommen. Ich wurde verboten, von Heavy-Metal-Bands gecovered, bildete die Basis eines Remix von Notorious B.I.G. und kam sowohl in Disney- als auch in Tarantino-Filmen vor. Vor Kurzem hörte man mich auch in Filmen wie Fifty Shades of Grey und dem gruseligen Belstaff Film The Outlaws. Welcher Song bin ich?

Die Antwort ist natürlich „I Put a Spell on You“, eine der sinnträchtigsten Melodien der Musik der Moderne. Und auch eine der umstrittensten. Seit seiner beeindruckenden Entstehung wurde dieser kurze Song stets mit der Avantgarde in Verbindung gebracht und auch ein Hang zu dunklen Mächten und strittigen Themen wird ihm nachgesagt.

Und dieser Bezug reicht bis zur legendären Erstaufnahme zurück. Jay Hawkins – den Zusatz „Screamin'“ verdiente er sich erst durch diese Darbietung – kam mit der Absicht ins Studio, „a refined love song“ [„ein anspruchsvolles Liebeslied“] aufzunehmen; stattdessen betrank er sich aber hemmungslos, gab sein unbekanntes Stück zum Besten, und schlief dann im Suff ein. Am nächsten Tag musste er sich den Song noch einmal neu beibringen.

Nina Simone


Die schräge Rolle allerdings, die bei der Aufnahme zum Vorschein kam, wurde bald zu Hawkins' Markenzeichen. So begann er Konzerte im Sarg und übte sich auf der Bühne als Schlangenbeschwörer – viele sahen ihn als afroamerikanisches Pendant zum Horrorfilm-Darsteller Vincent Price. Animalistische Urlaute und ein rauchender Totenschädel gehörten bald zum Standardinventar und läuteten die Geburtsstunde des Schock-Rock ein, zu dessen Vertretern später auch Eric Burdon, Alice Cooper und Marilyn Manson zählen sollten.

Die Erstaufnahme wurde jedoch bald wegen des provokanten Ächzens und lustvollen Stöhnens von vielen Plattenläden und Radiosendern verboten. Dank einer Neuaufnahme im Folgejahr verkaufte sich „I Put a Spell on You“ jedoch um die eine Million Mal. Und der Erfolg ist kein Geheimnis: Der faszinierend einfache Text prägt sich schnell ins Gedächtnis ein, während plötzliche leidenschaftliche Höhepunkte und eine einfache Komposition Hawkins' Song schlicht auf seine Art perfekt machen.

Und wenn man die Anzahl der Cover-Versionen als Maßstab für den Ruhm eines Liedes heranziehen möchte, dann gehört „I Put a Spell on You“ fraglos zu den ganz großen Hits. Zu den Interpreten gehören neben Creedence Clearwater Revival und Bryan Ferry auch Manfred Mann und sogar Queen Latifah. Die wohl bekannteste Version wurde jedoch 1965 von Nina Simone aufgenommen, in welcher sich Simones Stimme über die Melodie des Saxophons erhebt. In der neuesten Reinkarnation bildet Annie Lenox' Stimme den Hintergrund für die Filmaffäre von Christian Grey und Anastasia Steele.

Fifty Shades of Grey ist jedoch nur einer von vielen erlesenen Filmen, denen der Song als Filmmusik diente. Der Song erklingt, als Mallory Knox in Natural Born Killers , gespielt von Juliette Lewis, einen Tankwart niedermetzelt. Marilyn Mansons Fassung wird in David Lynchs bizarrem Lost Highway gespielt. Bette Midler, in grotesker Maske als Hexe, gibt den Song 1993 in der Komödie Hocus Pocus zum Besten. Simones Cover-Version macht auch im Hippie-Familiendrama The Ballad of Jack & Rose von 2005 ein Comeback. Und Jim Jarmusch bringt den Song in Stranger than Paradise, dem ultimativen Autorenfilm, unter. Jeder dieser Filme ist anders und verkörpert so den unkonventionellen Unterton der Melodie auf seine eigene Art.

The Outlaws Surrealist Mariachi Band


Auch The Outlaws steht in dieser Tradition und zieht seine surreale Inspiration aus Filmen von Sergio Leone, Federico Fellini und dem Film noir der Vierzigerjahre. „I Put a Spell On You“ wird hier von einerSängerin mit Bart geträllert und einer bizarren Zirkusband gespielt. Durch seinen typischen Wiedererkennungswert ist der Song die offensichtliche Wahl für den Film. Auch sechzig Jahre nach der Erstaufnahme gehört Hawkins' Klassiker zu den beliebtesten Außenseiter-Melodien.


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