Unwahrscheinliche Helden

Enttarnen Sie die mysteriöse Figur, den namenlosen Außenseiter im Film, der von David Beckham als nachdenklichem Teufelskerl dargestellt wird

Enttarnen Sie den Fremden


Wer IST der Kerl bloß? Der Fremde, der mit ruhigen Selbstvertrauen in eine Bar, in ein Diner oder in das Leben einer anderen Person tritt und suggeriert, dass er alles ändern wird – diese Rolle galt schon zur Stummfilmzeit als Vorlage für Film-Heldentum. Der Höhepunkt wurde in den Sechzigerjahren mit Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar und zwei weiteren klassischen Spaghetti-Western erreicht, in denen Clint Eastwood als Figur auftrat, deren wichtigste Angaben keiner kannte. Er war: Der Mann ohne Namen.

Das reduzierte Abbild eines anonymen Reisenden All die Sorgen und Beziehungen, die uns Sterbliche schwächen, sind abgestreift. Er ist eine Urkraft. In Roman Polanskis Film Das Messer im Wasser ist er ein Jugendlicher, dessen sexuelle Kraft eine Bedrohung darstellt. In Eastwoods Ein Fremder ohne Namen ist er ein übermenschlicher Rachebote. Falls er, wie Charles Bronson in Spiel mir das Lied vom Tod, auf Rache aus ist, kann man ihn nicht davon abhalten, denn er gibt nichts preis.

Der namenlose Fremde ist darüber hinaus ein Chamäleon, eine Leinwand, die man sich ganz nach Wunsch bemalen kann. Eastwood als Mann ohne Namen hat einen Spitznamen, doch der ist in jedem Film dieser Reihe anders: „Joe“, „Manco“, „Blondie“. Es sind Namen, die die anderen ihm geben.

„Mein Name?‟, fragt Daniel Craig schleppend in Layer Cake. „If you knew that, you'd be as clever as me.“ („Wenn du den kennen würdest, wärest du so schlau wie ich‟.)

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Moderne Filme verwenden kaum noch namenlose Vorbilder, doch die Anonymität hilft bei Geschichten, die eine elementare Energie anstreben. Die Überlebenden in The Road wurden durch die Apokalypse entmenschlicht; das Pärchen in Lars von Triers qualvollem Antichrist sind Männerwelt und Frauenwelt; Ed Norton in Fight Club hat keinen Namen, weil ... das verraten wir nicht.

Als Eastwood mit der Dollar-Trilogie begann, bat er Leone um weniger Dialog. Und er stand still, denn der Poncho verhinderte große Gesten. Er war, um es mit einem abgenutzten Wort zu beschreiben, Kult. So fesselnd es sein mag, einen Blick auf den Mann hinter der Maske zu erhaschen – wir nehmen an Ryan Gosling in Drive Anteil, weil er, auf seine überzogen maskuline, minimalistische Art, an anderen Anteil nimmt – in dieser Rolle wird eine felsenfeste, wie aus Granit geschlagene Mine verlangt, die in lustvollen Nahaufnahmen alles aussagt. Das ist eine Fähigkeit, die die Götter sämtlicher Bereiche der Popkultur beherrschen; eben dort, wo Werbeikonen geboren werden.

So kommen wir zu Outlaws, einer bewusst stilisierten 15-minütigen Mischung aus Biker B-Movie, schwarzem Nickel, Fellini Zirkusfilm und der unendlichen mexikanischen Wildnis. Und mittendrin ist ein namenloser Held, der nichts zu verlieren hat.

Der Darsteller verleiht der Rolle ein Gesicht, die von Drehbuchautor/Regisseur Geremy Jaspar als eine Rock 'n' Roll-Version des Mann ohne Namen konzipiert wurde. David Beckham. Die Besetzung macht bei längerem Nachdenken Sinn: Ein Mann mit einem fantastischem Talent (zugegeben Fußball, anstatt der üblichen Fahr- und Schießkenntnisse des namenlosen Fremden, aber es passt) und einem perfekten Gesicht, das für sich selbst spricht und die Fantasie der Fans nicht mit zu vielen Worten ablenkt. Wie alle anonymen Helden verkörpert auch er den Mann, der jeder sein möchte.

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