Viva Mexico

In Outlaws spielt das Land die Hauptrolle und kann sich damit erneut als eigenständiger Kinostar beweisen.

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Still from Outlaws in Mexico

Sundance Kid: „Why don't we just go to Mexico?”

Butch Cassidy: „Cause all they got in Mexico is sweat.”

Seit Jahrzehnten schon flimmert die Hitze Mexikos über die Kinoleinwände und verspricht Freiheit ebenso wie extreme körperliche und geistige Herausforderungen, Leidenschaft und – zumindest für Butch Cassidy – Transpiration. Die Linsen der Hollywood-Kameras fangen staubige, öde Landschaften ein und zeigen das wilde México als gnadenlosen Ort, an dem kein Tag ohne Blutvergießen vergeht, Fehden ausgetragen werden und sich allerorts sonderbare Dinge zutragen.

Alles begann mit Emilio Fernández und seinen Kultstreifen aus den 1940er und 50er Jahren. Mit seiner authentischen, mexikanischen Ästhetik arbeitete der legendäre Regisseur zwar in Anlehnung an die volkstümliche Malerei seiner berühmten Zeitgenossin Frida Kahlo. Sein eigentliches Vermächtnis besteht jedoch in seiner Darstellung eines naturgewaltigen Mexikos, die der Kameramann Gabriel Figueroa mit seinen gemäldehaften, unbewegten Totalaufnahmen geradezu zum Fetisch erhob. Zusammen mit Fernández' Idealisierung der Mestizen wurde diese romantisierte Inszenierung bald zum Inbegriff des ländlichen Mexikos auf der Kinoleinwand.

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Treasure Of The Sierra Madre with Humphrey Bogart, Tim Holt and Walter Huston, 1948. Snap/REX

Jene Einheimischen gerieten in Der Schatz der Sierra Madre (1948), einem der ersten Hollywood-Filme, die außerhalb Amerikas gedreht wurden, beinahe zur Karikatur. In dieser schwarz-weißen Klamotte von John Huston hatten es drei habgierige Goldsucher, darunter Humphrey Bogart, mit grausamen Banditen zu tun, aber auch mit freundlicher gesinnten Dorfbewohnern.

Ein ähnliches Flair versprühten auch die Spaghetti-Western, deren Drehorte in Spanien oder Italien oft in karge mexikanische Wüstengegenden umfunktioniert wurden. So spielt Clint Eastwood in Sergio Leones Klassiker Für eine Handvoll Dollar, dem ersten und staubigsten Film der Dollar-Trilogie, als namenloser Gringo zwei verfeindete Familienclans gegeneinander aus, die ein bilderbuchhaftes Provinznest terrorisieren.

Die gewaltgeladene Atmosphäre des Films unterstreicht ein wiederkehrendes, genreübergreifendes Motiv des US-amerikanischen Films: Der Gesetzlose, der sich zur Grenze durchschlagen will, um den Fängen der Justiz zu entwischen. Viele solcher Versuche geraten ins Wanken, wie der von Billy the Kid in Young Guns (1988), während andere schlicht waghalsig sind – man denke an die Brüder Seth und Richard Gecko (gespielt von George Clooney und Quentin Tarantino) in Robert Rodriguez' From Dusk Till Dawn. Darin ist Mexiko genauso tödlich, aber wesentlich greller, wird es doch durch ein von Vampiren verseuchtes Striplokal repräsentiert, dessen Türsteher eine rigorose „Einer rein, keiner raus”-Schiene fahren.

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Young Guns, featuring Kiefer Sutherland, Emilio Estevez, Christian Slater, Lou Diamond Phillips. Moviestore Collection/REX

Rodriguez führte den Blutrausch dieses Blockbusters von 1995 in seiner leichenübersäten Rache-Trilogie fort. In allen drei Filmen der Mariachi-Serie – El Mariachi, Desperado und Irgendwann in Mexico – liefert sich ein Musiker in schwarzem Anzug zu den scharfen Klängen seiner Gitarre auf schmutzigen Straßen schonungslose Gemetzel mit Horden von Banditen.

Währenddessen hat sich das zeitgenössische mexikanische Kino mit Filmen wie Amores Perros und Babel ein urbaneres Gewand angelegt. Die alte Sehnsucht nach dem wilden Hinterland lebt jedoch fort: Der weitläufige Roadmovie Y Tu Mamá También – Lust for Life, mit dem Diego Luna und Gael García ihren Durchbruch schafften, folgt den Protagonisten auf ihrem Weg vorbei an malerischen Küstendörfern, blumenschwangeren Trauerzügen und Drogen-Checkpoints. So wird die mexikanische Landschaft einmal mehr zur Kulisse für Abenteuer und Freiheit: Ein Land, in dem andere Regeln gelten – oder gar keine.

„Mexico has the right combination of magic and madness. It became a main character in itself.”
– Geremy Jasper, director, Outlaws


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